Filmofen

Byzantium (2013)

12.01.2013

Inhalt:

Clara (Gemma Arterton) und ihre Tochter Eleanor (Saoirse Ronan) sind seit über 200 Jahren Vampire. Clara nutzt ihre zeitlose Schönheit dazu, um als Striptease-Tänzerin und Prostituierte den Lebensunterhalt zu verdienen, sie verführt und manipuliert Männer zu ihren Zwecken und tötet sie gnadenlos, sobald sie ihren Nutzen erfüllt haben. Die kindlich-sensible Eleanor hingegen ist weitaus milder gestimmt. Die beiden suchen Zuflucht im heruntergekommenen Hotel “Byzantium” in einer kleinen Küstenstadt. Als Eleanor Gefallen an einem totkranken jungen Mann (Caleb Landry Jones) findet, droht das Geheimnis der beiden aufzufliegen. Ihre Vergangenheit beginnt sie einzuholen und das mit schwerwiegenden Konsequenzen.

Review:

Nicht zuletzt durch den Erfolg der “Twilight”-Reihe erfreut sich das Vampirgenre derzeit ungebremst großer Beliebtheit, die dazu führt, dass mehr und mehr Filme den Markt fluten, die auf diesen Zug aufspringen und ein wenig Profit schlagen wollen. Manche mit größerem, andere mit weniger Erfolg. Dachte sich wohl auch Regisseur Neil Jordan, der die Gelegenheit nutzt, das Genre ein zweites Mal zu besuchen, nach seinem gemeinhin bekannten und zweifach für den Oscar nominierten “Interview mit einem Vampir” aus dem Jahr 1994. Trotz eines niedrigen Budgets von knapp 10 Millionen Euro konnte “Byzantium” leider keine schwarzen Zahlen schreiben. Ein Jammer, denn ein mutiger Film wie dieser hätte weit mehr Beachtung verdient.

Nach einem kurzen rasanten Einstieg braucht “Byzantium” ein wenig Zeit um in Fahrt zu kommen und über weite Strecken präsentiert er sich als ein recht gemächlich erzählter Film, der seine Geschichte mit Hilfe von Rückblenden Puzzleteil für Puzzleteil zusammensetzt und entfaltet. Dass er dabei nie seinen Reiz verliert ist vor allem Neil Jordan zu verdanken, der ein Meister darin ist eine teils melancholische, an anderen Stellen sehr beklemmende Atmosphäre aufrecht zu erhalten, während Kameramann Sean Bobbitt in all der finsteren Tristheit auch Bilder von eindringlicher Schönheit findet. Während der Großteil der Hollywood-Produktionen den Bechdel-Test nicht einmal ansatzweise bestehen kann, gelingt dies “Byzantium” mit wehenden Fahnen. Zwei Frauen stehen hier allein gegen eine ausschließlich aus Männern bestehende Vampirgesellschaft, es ist ein geradezu feministischer Vampirfilm, der weniger die Freuden als die Bürden der trostlosen Einsamkeit des ewigen Lebens thematisiert. Die beiden Hauptrollen sind perfekt besetzt, Gemma Arterton verkörpert Clara mit natürlichem Sex-Appeal und gleichzeitig grausamer Skrupellosigkeit überzeugend, während Saoirse Ronan im krassen Kontrast dazu die sanftmütige Eleanor mit regelrecht kindlicher Unschuld darstellt.

“Byzantium” ist ein außergewöhnlicher Vampirfilm weitab des Mainstreams. Weniger durch Action als durch seine Handlung und Atmosphäre getrieben und mit weiblichen Charakteren im Zentrum umschifft er geschickt die sonst im Genre so üblichen Klischees. Abgesehen von ihrer Unsterblichkeit zeigen die Vampire hier keinerlei übernatürliche Kräfte oder Probleme mit Sonnenlicht. Auch Reißzähne sucht man hier vergeblich, stattdessen werden die Venen der Opfer nach dem Prinzip Dosenöffner mit einem spitzen Fingernagel angestochen. Die Verwandlung zum Vampir findet darüber hinaus nicht durch einen einfachen Biss statt, sondern kann nur auf einer besonderen Insel stattfinden, die außerdem das visuelle Highlight des Films darstellt. Die wenigen Actionmomente des Films sind wohlplatziert, überwiegend im letzten Drittel des Films, in dem die Konflikte schließlich eskalieren und verschiedene Seiten aufeinandertreffen. Sie dienen also immer der Handlung und durch ihren sparsamen Einsatz wirken die kurzen Gewaltausbrüche umso effektiver und brutaler.

“Byzantium” mag nicht ganz die Größe besitzen, Filmen wie “Interview mit einem Vampir”, den man durchaus als einen Kultfilm bezeichnen kann, das Wasser zu reichen. Aber nichtsdestotrotz ist er ein kleiner, besonderer Beitrag zum Genre, der eine nette Variation bekannter und weniger gängiger Motive zeigt. Mehr als genug, um aus dem Einheitsbrei weit schwächerer Filme herauszustechen und in jedem Fall einen Blick wert.

Blu-ray:

“Byzantium” erscheint in Deutschland von Universum Film Home Entertainment. Das AVC-Codierte Bild ist durchaus gelungen und überwiegend von guter Schärfe und Klarheit geprägt, bei den zahlreichen finstereren Stellen des Films aber zeigt sich ab und an etwas mehr Bildrauschen als nötig und einige Details scheinen auf der Strecke geblieben zu sein. Die leichten Schwächen mindern das Filmvergnügen aber dennoch allenfalls geringfügig. Der Ton kann dafür umso mehr überzeugen und liegt sowohl im englischen Original als auch auf deutsch in DTS-HD Master Audio 5.1 vor. Das gute Sounddesign unterstütz die Atmosphäre des Films mehr als angemessen und darf ab und an auch beeindruckenden Raumklang entfalten, etwa wenn Fledermäuse 360° um die Szene kreisen. Als Bonusmaterial gibt es einige vergleichsweise umfangreiche Interviews mit Regisseur Neil Jordan und den Darstellern Gemma Arterton, Saoirse Ronan, Sam riley und Caleb Landry Jones, die gemeinsam mit dem halbstündigen B-Roll einen recht guten Einblick in die Entstehung des Filmes bieten. Ansonsten befinden sich lediglich einige Trailer zu anderen Titeln aus dem Programm auf der Scheibe, da wäre durchaus mehr wünschenswert gewesen, aber vermutlich existiert für einen Film, der scheinbar darauf ausgelegt war, jeden Cent seines niedrigen Budgets effizient in seinem Hauptfilm einzusetzen, kein aufwendiges Bonusmaterial, was in Anbetracht des gelungenen Ergebnisses definitiv zu verzeihen ist.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Universum Film Home Entertainment zur Verfügung gestellt.

“Byzantium” ist überall im Handel auf Blu-ray und DVD erhältlich.

7/10