Filmofen

Die Akte Grant (The Company You Keep) (2012)

17.07.2013

Inhalt:

Als Sharon Solarz (Susan Sarandon), ein ehemaliges Mitglied der anarchistischen Untergrundgruppe "Weather Underground" nach 30 Jahren vom FBI gefasst wird, wittert der aufstrebende Journalist Ben Shepard (Shia LaBeouf) seine Chance auf eine große Story. Er beginnt den Fall zu untersuchen und stößt dabei auf den Anwalt Jim Grant (Robert Redford), der sich zunächst wenig kooperativ zeigt und das mit gutem Grund. Auch er ist ein untergetauchtes Mitglied der Gruppe und wird von Shepard enttarnt. Sloan begibt sich auf die Flucht vor den Behörden um seinen Namen reinzuwaschen und seine Tochter zu beschützen.

Review:

Shia LaBeouf, Julie Christie, Susan Sarandon, Nick Nolte, Chris Cooper, Terrence Howard, Stanley Tucci, Richard Jenkins, Anna Kendrick, Brendan Gleeson, Brit Marling und Sam Elliott. Alle in einem Film. Man sollte meinen, es gäbe einen guten Grund, warum sich diese schier endlose Riege von namhaften Darstellern hier die Klinke in die Hand drückt. Doch sobald der Abspann läuft, stellt sich Ernüchterung ein, es kann nur der Status Robert Redfords als eine der größten Hollywoodlegenden gewesen sein, der die Schauspieler wie Motten an eine Straßenlaterne anzog. Denn der neue Film von Redford, bei dem er als Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller fungiert, ist vor allem eines: langweilig.

Zunächst muss man dem Film zugutehalten, dass er auf ausladende, von übermäßig vielen digitalen Effekten unterstützte Action-Sequenzen verzichtet und sich vom Stil her an den guten alten Thrillern der 70er-Jahre orientiert. Sogleich fühlt man sich an den Klassiker "Die Drei Tages des Condor" erinnert, ebenfalls mit Robert Redford, was zunächst gut, doch schon bald fatal ist. Dann nämlich, wenn man ernüchtert feststellen muss, dass "The Company You Keep" in keiner Weise mit dem knapp 40 Jahre älteren Film mithalten kann. Zu lahm schreitet er voran und ist selten spannend, gerade deswegen, weil der Zuschauer den Protagonisten meist einen Schritt voraus ist und nur noch darauf wartet, dass die Protagonisten folgen.

Es gibt einige interessante Aspekte, die im Film angesprochen werden und von aktueller Relevanz sind. Ben Shepard und Nick Sloan sind eine interessante und gegensätzliche Paarung. Der Journalist auf der einen Seite mit seinem linksliberalen Idealismus, der radikale Anarchist, der von antipolitischem Zynismus geprägt ist auf der anderen Seite. Dabei kommen einige durchaus wertvolle Fragen auf. Wo ist die Grenze zwischen Antikriegsprotest und Terrorismus? Heiligt der Zweck (manchmal) die Mittel? Ist es gerechtfertigt, zu illegalen Mitteln zu greifen, wenn man mit den legalen nicht weiter kommt, aber davon überzeugt ist, im Recht zu sein? Doch wirkliche Antworten auf derlei Fragen sucht man im Film vergeblich.

Redford und sein Drehbuchautor Lem Dobbs schaffen es schlicht nicht, aus dem Roman von Neil Gordon, der überwiegend als eine Email-Unterhaltung des Vaters mit seiner Tochter aufgebaut war, einen spannenden Thriller zu machen. Was bleibt ist ein äußerst konventionelles und wenig inspiriertes, kaum mitreißendes Werk, das einzig von den zahlreichen talentierten Darstellern etwas aufgewertet wird.

5/10