Filmofen

Die schönen Tage (Les beaux jours) (2013)

17.09.2013

Inhalt:

Caroline (Fanny Ardant) ist gerade in den Ruhestand getreten. Nicht nur die Arbeit als Zahnärztin fehlt ihr, sondern auch ihre beste Freundin, die vor 5 Monaten gestorben ist. Mit all der freien Zeit weiß sie zunächst nichts anzufangen, sodass ihr die beiden Töchter eine Probemitgliedschaft im Seniorenclub "Die schönen Tage" schenken. Caroline hält nicht viel davon, ihre Zeit von nun an mit Töpfern und ähnlicher Beschäftigungstherapie zu verbringen. Doch dann lernt sie im Computerkurs Julien (Laurent Lafitte) kennen und schon bald funkt es zwischen den beiden. Obwohl Julien im Alter ihrer Töchter ist, beginnt Caroline mit ihm eine leidenschaftliche und aufregende Affäre, die ihr die Lebensfreude zurückgibt.

Review:

Fanny Ardant ist eine der letzten großen Diven des französischen Kinos und die absolute Optimalbesetzung für die Rolle der im Geiste noch jungen und auch äußerlich noch lange nicht so alt aussehenden Frührentnerin, die mit einer heißen Affäre ihrem Leben neuen Schwung verleiht. Regisseurin Marion Vernoux, die das Drehbuch gemeinsam mit Fanny Chesnel, auf deren Roman der Film basiert, geschrieben hat, setzt voll und ganz auf ihre charismatische Hauptdarstellerin und baut den Film um sie herum auf. Darin liegt einerseits die große Stärke, andererseits aber auch die alles entscheidende Schwäche des Filmes.

Caroline ist die einzige Figur, die eine Entwicklung durchmacht, die zwar weitgehend in vorhersehbaren Bahnen verläuft, von Ardant aber äußerst überzeugend dargestellt wird. Ist sie erst fast schon lethargisch, weckt die erst zögernd begonnene Affäre, der sie sich dann nach und nach in vollen Zügen hingibt, wieder die Lebensgeister. Sie trägt ihr Haar mädchenhaft offen, trinkt und raucht wieder (nicht nur Zigaretten), hat einfach wieder Freude am Alltag und entwickelt sich zu einer souveränen Frau. Das Verhältnis mit ihrem deutlich jüngeren Liebhaber entfaltet sich trotz des Altersunterschieds zunächst nachvollziehbar, was vor allem der allzeit vorhandenen Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern geschuldet ist. Für den Umgang mit der weiblichen Sexualität verdient der Film sicher Lob, doch spätestens, als sich die Handlung genau so entwickelt, wie man es erwartet und auch schon öfter, mitunter deutlich besser gesehen hat, verliert der Film seinen Reiz und schöpft das Konfliktpotenzial und die dramatische Schwere der Thematik nicht einmal ansatzweise aus.

Das liegt daran, dass alle Nebenfiguren nicht mehr als genau das sind: Charaktere neben Caroline. Sie ist das Zentrum, alle anderen sind nur Beiwerk. Es wirkt, als hätte Marion Vernoux um jeden Preis vermeiden wollen, ihren Film zu sehr zum Drama werden zu lassen, sondern hätte immer die Leichtigkeit einer Beziehungskomödie aufrecht erhalten wollen. Konflikten geht sie soweit es geht aus dem Weg. So zeigt sich Caroline nur wenig betroffen davon, dass Julien neben ihr noch weitere Frauen beglückt, noch sind sonderlich tiefgreifende moralische Bedenken ihrem Mann gegenüber erkennbar. Der allerdings setzt auch reichlich wenig daran, seine Frau zurückzugewinnen.

So plätschern "Die schönen Tage" statt tiefgreifende Emotionen beim Zuschauer auszulösen oder eine überzeugende dramatische Entwicklung zu durchlaufen in altbekannten Bahnen vor sich in, bis zum unausweichlichen, vorhersehbaren Ende. Bei weitem kein schlechter Film, aber eben auch kein sonderlich guter, allenfalls ein netter Sonntagnachmittagsfilm für Frauen, die sich wie Caroline nach ein wenig mehr Würze im Leben sehnen.

5/10