Filmofen

Global Player - Wo wir sind isch vorne (2013)

01.10.2013

Inhalt:

Das traditionsreiche Familienunternehmen "Bogenschütz & Söhne" steckt in der Krise. Die Umsätze sind stark rückläufig und Juniorchef Michael Bogenschütz (Christoph Bach) hat einen zunehmend kleinen Handlungsspielraum, bekommt er doch von der Bank keine weiteren Kredite und hat sogar bereits sein Haus überschrieben, um keine Mitarbeiter entlassen zu müssen. Dennoch versprüht er auch beim 90. Geburtstag seines Vaters (Walter Schultheiß) Optimismus, während er damit liebäugelt, das Unternehmen von gerade den Chinesen retten zu lassen, die seiner Firma durch billige Kopien ihrer Produkte das Leben schwer machen.

Review:

Im Jahr 2006 war Marcus H. Rosenmüllers "Wer früher stirbt, ist länger tot" ein überwältigender Überraschungserfolg an den deutschen Kinokassen und läutete so etwas wie die Rückkehr des Heimatfilmes ein. Produziert wurde der Film seinerzeit von Movienet, deren Geschäftsführer Lothar Seelandt nun mit einer schwäbisch angehauchten Globalisierungs-Dramödie versucht, einen ähnlichen Erfolg zu feiern. Das sollte jedoch recht unwahrscheinlich sein.

Denn "Wer früher stirbt, ist länger tot" war seinerzeit mit Sicherheit gerade deswegen ein so großer Erfolg, weil er einfach ein hervorragender Film war, der mit Witz und einer guten Geschichte überzeugen konnte und so mit der Hilfe von viel Mundpropaganda schnell zu einem kleinen Kultfilm werden konnte. Qualität setzt sich durch, manchmal jedenfalls. Doch "Global Player" kann kaum mit ähnlichen Vorzügen aufwarten.

Es ist naheliegend, nach der Wirtschaftskriese der letzten Jahre einen derartigen Film zu machen und den Blick auf ein mittelständisches Unternehmen zu werfen, dass mit der Konkurrenz und unlauteren Wettbewerbsmethoden aus dem Ausland zu kämpfen hat. Das Schwabenländle ist ein gut gewählter Schauplatz, doch so sehr geschwäbelt wird dann gar nicht, wohl um der kommerziellen Verwertbarkeit im Rest der Republik nicht zu schaden. Erst gegen Ende zeigt sich, dass der Film auch das Potenzial besessen hätte, den Aspekt der schwierigen Völkerverständigung noch etwas besser und unterhaltsamer auszuschöpfen.

Darauf liegt jedoch nicht der Fokus, in erster Linie geht es hier um die Globalisierung. Die Globalisierungskritik, die unabstreitbar sicherlich in dem Film steckt, fällt allerdings viel zu zahm aus, da hätte man sich mehr Biss gewünscht. In der Geschichte an sich steckt schlicht zu wenig Konflikt, hier der Kampf mit den bösen Banken und den chinesischen Investoren, der zusätzlich vom Veto-Recht des Patriarchen erschwert wird, dort die entfremdete Familie, die sich in der Krise doch wieder zusammenraufen muss. Ein Drama, das man schon mehrfach besser gesehen hat. Zum vorhersehbaren Ende hin, in dem sich der Junior-Chef Michael von jetzt auf gleich praktischerweise zum gewieften Strategen mausern darf, löst sich alles aalglatt auf. Man könnte fast meinen, man vollziehe eine 180°-Wendung von anti- zu pro-Globalisierung. Eine klare Haltung ist jedenfalls nicht zu erkennen und auf die Beleuchtung wirtschaftlicher Zusammenhänge wird gänzlich verzichtet. "Die Wirklichkeit ist komplex" schrieb Regisseur und Drehbuchautor Hannes Stöhr auf seiner Facebook-Seite. Davon hätte man gerne etwas in seinem Film gesehen.

Der eigentliche Star des Films und der Grund, warum er dann doch einigermaßen unterhaltsam ist und nicht in völliger Langeweile versinkt, ist Walther Schultheiß als mürrischer Patriarch der Familie. Von all dem modernen Schnick-Schnack will er nichts wissen und hat immer schlagkräftig einen guten Spruch auf den Lippen. Er ist der einzig wirkliche Charakter in einem Ensemble von Stereotypen, auch wenn die Einblicke in sein Innenleben in Form von schwarz/weiß Rückblenden auf Wirtschaftswunder und die Nazi-Vergangenheitsbewältigung letztlich unnötig sind und vor allem stilistisch deplatziert wirken. Die aberwitzigen Streitereien ohne Rücksicht auf Verluste und Anstand gehören dafür zu den besten Szenen des Filmes. Mit Generationenkonflikt und Völkerverständigung sind es nun schon zwei Aspekte, die gut in den Film gepasst und besser funktioniert hätten als die halbgar abgehandelte Globalisierungsthematik.

Letztlich ist "Global Player - Wo wir sind isch vorne" eine viel zu zahme und klischeehafte Globalisierungs-Dramödie, die mäßig unterhaltsam vor sich hindümpelt und keine klare Stellung zur zentralen Problematik bezieht. Besser als im Kino wäre diese Produktion im Abendprogramm der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender aufgehoben.

5/10