Filmofen

Jackpot (Arme Riddere) (2011)

13.03.2013

Inhalt:

Eine Schießerei in einem Sexshop/Strip-Club mit 8 Toten hinterlässt jede Menge Fragen. Als einziger überlebt hat Oscar (Kyrre Hellum), der mit einer Shotgun in der Hand unter einer übergewichtigen toten Stripperin aufwacht. Doch der beteuert seine Unschuld, aber um den ermittelnden Polizisten Solør (Henrik Mestad) davon zu überzeugen, muss er weit ausholen. Alles begann damit, dass eine Tippgemeinschaft von 4 Bekannten 1,7 Millionen Kronen in einer Sportwette gewannen...

Review:

Der norwegische Autor Jo Nesbø steht hoch im Kurs. Im vergangenen Jahr begeisterte die Romanverfilmung "Headhunters" das internationale Publikum (so sehr sogar, dass die Remake-Rechte bereits erfolgreich nach Hollywood verkauft sind) und auch "Jackpot", dessen Handlung aus der Feder von Nesbø stammt, hat das Zeug dazu, ein kommerzieller Erfolg und womöglich sogar ein Kultfilm zu werden. "

Jackpot" weist einige Parallelen zu "Headhunters" auf, ist aber gleichzeitig ganz anders. Wie schon in "Headhunters" ist die Hauptfigur schön zwielichtig, man ist sich nie ganz sicher, ob sie denn nun wirklich so unschuldig ist wie es scheint oder nur den eigenen Hals retten will. Denn es sind schon eine Menge blöder Zufälle, die dazu führen, dass die Mitgewinner der 1,7 Millionen Kronen nach und nach das Zeitliche segnen und der Geldanteil für die verbleibenden Gewinner immer größer wird. Wie heißt es so schön? Bei Geld hört die Freundschaft auf! Und hier ist die Tippgemeinschaft nicht einmal miteinander befreundet, wer weiß wozu Menschen fähig sind wenn es um so eine Menge Geld geht?

Das herauszufinden ist äußerst spannend und amüsant. Den verbalen Schlagabtauschen zwischen Oscar (Kyrre Hellum) und Solør (Henrik Mestad, der hervorragend verschiedene klischeehafte Verhörmethoden durch den Kakao zieht) zuzuschauen ist allein schon sehr unterhaltsam und lädt dazu ein, mitzuraten und zu rätseln, ob es sich denn alles so zugetragen hat, wie Oscar es schildert, oder ob es nicht doch ganz anders war. Ziemlich schnell entwickelt sich "Jackpot" zu einer herrlich abstrusen schwarzen Komödie voll von mehr oder weniger lustigen Zufällen. Mitunter geht es auch etwas blutig bis hin zu makaber zu, jedoch immer in einem erträglichen, nie übertriebenem und vor allem ausschließlich witzigem Maße.

Der noch recht unerfahrene Regisseur Magnus Martens streut in seinen Film eine Menge kleiner Ideen ein und das Timing sowohl der offensichtlicheren und unterschwelligeren Witzeleien ist hervorragend, sodass fast alle Lacher zünden können. Der nichtlineare Erzählstil ist geradezu tarantinoesque und erinnert vor allem an "Pulp Fiction", während der visuelle Stil und Stimmung an die frühen Filme von Guy Richie erinnern. Nicht die schlechtesten Vorbilder und Martens stattet "Jackpot" mit genug eigenen Einfällen aus um sich den Vorwurf des Nachahmens besagter Filmemacher nicht gefallen lassen zu müssen. Das norwegische Setting ist ebenfalls erfrischend und hilft dem Film, sich etwas von ähnlichen Werken abzusetzen. Eine kleine, unerwartete Perle aus Norwegen und nicht nur für Freunde schwarzer Komödien dringend empfehlenswert.

8/10