Filmofen

Kurz und knapp: Oktober 2013

06.11.2013

Mit reichlich Verspätung kommt jetzt endlich der kurze Oktober-Rückblick und all die Filme die ich in dem Monat gesehen habe. Momentan habe ich leider reichlich viel um die Ohren, weshalb es etwas gedauert hat und auch die Anzahl der gesichteten Filme ziemlich eingebrochen ist und nur noch etwa die Hälfte des Vormonats erreicht hat. Die Liste der Filme, über die ich längere Texte schreiben will oder muss ist entsprechend auch nicht gerade kurz. Wie dem auch sei, hier eine Reihe Kurzmeinungen, in den nächsten Tagen dann hoffentlich auch wieder etwas ausführlichere Einzelbesprechungen.

Alles eine Frage der Zeit (About Time) (2013)

10 Jahre nach "Tatsächlich... Liebe" hat Richard Curtis wieder eine romantische Komödie gedreht und sie hat gute Chancen, einen ähnlichen Kultstatus zu erlangen. Zum 21. Geburtstag wird Tim (Domhnall Gleeson) von seinem Vater (Bill Nighy) in das Familiengeheimnis eingeweiht, nämlich, dass die männlichen Nachkommen die Gabe des Zeitreisens besitzen. Tim muss natürlich erst einmal lernen damit umzugehen und schafft es prompt, das Kennenlerntreffen der Liebe seines Lebens wieder ungeschehen zu machen. Die gilt es wiederzufinden. Der Film befasst sich aber nicht nur mit dieser Geschichte, sondern auch mit den Aufs und Abs des Familienlebens und weiteren Dingen, die man vorher lieber nicht wissen sollte. Alles ist höchst romantisch und emotional, da bleibt kein Auge trocken. Bekommt bei der Zweitsichtung womöglich noch ein Pünktchen mehr.
8/10

Big Ass Spider (2013)

Der Titel ist Programm: eine riesige Spinne sucht Los Angeles heim und es ist an Kammerjäger Alex (Greg Grunberg), der Plage ein Ende zu bereiten, die Stadt, nein die ganze Welt zu retten und vielleicht auch noch eine Frau zu beeindrucken. Trash pur und dass man den Film keinesfalls ernst nehmen sollte, müsste klar sein. Über weite Strecken ist das recht unterhaltsam, die schlechten digitalen Effekte sind da durchaus charmant. Kann man durchaus mal schauen, am besten mit ein paar Leuten und Bier.
6/10

The Butler (2013)

Lose basierend auf dem Leben von Eugene Allen erzählt "The Butler" die Geschichte des Cecil Gaines, der 34 Jahre lang als Butler im Weißen Haus gearbeitet hat und zahlreiche Präsidenten und historische Ereignisse miterlebte. Es werden allerlei wichtige Entwicklungen in den USA abgehakt, sodass sich der Film hervorragend für den Geschichtsunterricht eignet, ansonsten ist das Drehbuch leider ziemlich unausgewogen, häufig unnötig melodramatisch und der Film zieht sich schlicht etwas. Aufgewertet wird er aber von einigen sehr guten Darstellerleistungen, allen voran von Forest Whitaker, dafür sind aber die Castingentscheidungen für die verschiedenen Präsidenten fragwürdig und laden teils zum Lachen ein. Erinnert insgesamt etwas an "Forrest Gump" erreicht aber niemals dessen Klasse und emotionale Resonanz.
6/10

Drecksau (Filth) (2013)

Sicherlich nicht einfach, diesen Film zu mögen, denn Hauptfigur Bruce Robertson ist wahrlich eine Drecksau. Wohl auch einer der seltenen Fälle, in denen der deutsche Titel besser passt als der Originaltitel. Es ist immer ein Freude James McAvoy zu sehen und seine Darstellung des wahnsinnigen Bruce ist wohl der Hauptgrund, warum der Film doch so gut funktioniert. Bruce ist jedes Mittel recht, seine Kollegen einen nach dem anderen aus dem Rennen um die heiß ersehnte Beförderung zu kicken, selbst wenn es ihr ganzes Leben zerstören könnte. Wie sich die Handlung gegen Ende entwickelte, fand ich persönlich jetzt nicht mehr so großartig, aber ansonsten ist "Drecksau" ein ziemlich abgedrehter Spaß.
7/10

3 Zimmer/Küche/Bad (2012)

Dietrich Brüggemann ist spätestens nach diesem Film einer der Filmemacher, dessen neue Filme ich mir ab jetzt immer anschauen werde, unabhängig vom Inhalt etc.. Schon "Renn wenn du kannst" war 2010 eine positive Sneak-Überraschung und der Nachfolger "3 Zimmer/Küche/Bad" ist mindestens genauso gut. Robert Gwisdek, Jacob Matschenz und Anna Brüggemann, die neben ihrer Funktion als Darstellerin außerdem das Drehbuch zusammen mit ihrem Bruder geschrieben hat, sind wieder dabei in einer episodenhaften Geschichte über 8 Freunde, die sich immer mal wieder gegenseitig beim Umzug helfen. Doch nicht nur die Wohnungen wechseln, auch die Partner und das Beziehungsgeflecht zwischen den Freunden ist ohnehin kompliziert. Es dauert daher etwas, bis der Film in Gang kommt, denn zunächst benötigt es etwas Zeit, bis ein Überblick über die Figuren und ihre gegenseitigen Beziehungen geschaffen ist. Doch dann nimmt da Treiben richtig Fahrt auf und ist außerordentlich unterhaltsam. Einzig der "running gag" der immer wieder auftauchenden Zeugen Jeohvas will so gar nicht zünden.
8/10

Drinking Buddies (2013)

Kate und Luke arbeiten gemeinsam in einer Brauerei und sind eigentlich wie gemacht für einander. Wenn man von so viel Alkohol umgeben ist, beginnt unweigerlich das Flirten. Doch dummerweise sind beide in einer Beziehung. Das ist einigermaßen unterhaltsam, vor allem dank der tollen Besetzung mit Olivia Wilde, Jake Johnson, und der immer sympathischen Anna Kendrick. Doch es gab für den Film kein Drehbuch, statt dessen improvisierte Dialoge, ein Experiment das für nicht so recht funktionieren wollte und insgesamt ließ der Film ziemlich kalt, auch wenn er ab und an ganz witzig und sympathisch war. Kann man mal schauen, ist aber sicher bald wieder vergessen.
6/10

Ender's Game (2013)

Lange galt der Science-Fiction Roman aus den 80er Jahren für unverfilmbar und vielleicht hätte man es auch einfach sein lassen sollen. Aber momentan versucht ja jedes Filmstudio ein neues Franchise aus dem Boden zu stampfen und im "Enderverse" gibt es bereits 13 Bücher, wobei die folgenden noch unmöglicher zu verfilmen sind als das erste. In "Ender's Game" ist Ender die letzte Hoffnung der Menschheit, der drohenden zweiten Invasion der Formics, einer Insekten ähnlichen Alienspezies, zu entgehen. Dazu wird er bereits in jungen Jahren in die Militärschule im näheren Weltraum geschickt, wo er viel lernen und unter Beweis stellen muss, dass er der einzig geeignete Kandidat ist, die Flotte zu kommandieren. Die äußere Handlung der Vorlage wurde recht gut transportiert, wobei sich der Film für den Kenner der Vorlage als ziemlich gehetzt anfühlt. Teils wurden Dinge verharmlost, die es wohl einfacher machen sollen, denn schwer zugänglichen und kalten Charakter Ender doch irgendwie zu mögen. Was aber auf jeden Fall fehlt, ist der politische Gegenpunkt, der in der Romanvorlage durch die beiden Geschwister Enders auf der Erde gesetzt wird, im Film aber gänzlich unter den Tisch fallen gelassen wird. Nun ja, optisch alles ganz hübsch und wenn man sich nicht daran stört, dass das eigentlich überraschende Ende im Grunde bereits vom Marketing-Team vorweg genommen wurde, kann man sich durchaus mal ganz nett unterhalten lassen und vielleicht reizt es den ein oder anderen, einmal das ausgezeichnete Buch in die Hand zu nehmen. Auch wenn dessen Autor ein LGBT-feindliches Arschloch ist.
6/10

Exit Marrakech (2013)

Caroline Link hat wieder einen Film gemacht. Das allein sollte schon Grund genug sein, Exit Marrakech zu schauen. Die Afrika-Liebe der Filmemacherin ist allgegenwärtig und sie selbst hat zugegeben, eigentlich vor allem ihre Eindrücke von Marrakech vermitteln zu wollen und die Handlung dann außen herum gebastelt zu haben. Ihre Hauptintention ist definitiv gelungen, es finden sich zahlreiche faszinierende Einblicke in eine für uns vermutlich weitgehend fremde Kultur. Die Rahmenhandlung ist über weite Strecken aber auch ziemlich gut, ein gelungenes Drama über die Entfremdung zwischen einem gerade erwachsenen Sohn und seinem aufgrund der Tätigkeit als Theaterregisseur sich immer auf Reisen befindlichen Vater. Zieht sich allerdings im letzten Drittel ziemlich.
7/10

The Grandmaster (2013)

Über den neuesten Film von Wong Kar Wai, der einer meiner absoluten Lieblingsregisseure ist, habe ich ja bereits ausführlich hier geschrieben. Auch wenn diesem Werk nicht überall Liebe entgegenschlägt, war ich doch sehr angetan und fand die jetzt gesehene, etwas längere HongKong-Fassung etwas besser als der im Westen verbreitete Berlinale-Cut (der aber auch wirklich gut ist und auf jeden Fall um Längen besser als die verhackstückte US-Fassung der Weinstein Company).
8/10

Gravity (2013)

Das Science-Fiction Kino ist noch lange nicht tot, das stellt Alfonso Cuaron mit seinem neuen Film erneut eindrucksvoll unter Beweis. War schon sein "Children of Men" einer der besten Science-Ficion Filme, die es in der jüngeren Vergangenheit gegeben hat, setzt er mit "Gravity" nochmal eins obendrauf und präsentiert ein Kinoerlebnis, das seinesgleichen sucht. Sandra Bullock, George Clooney und Team sind am Hubble-Teleskop beschäftigt als Satellitentrümmer für mächtige Probleme sorgen. Je weniger man über die Geschichte weiß, desto besser. Das wurde dankenswerterweise auch vom Marketing-Team berücksichtigt, sodass kein Trailer den Zuschauer auf diesen atemberaubenden Ritt vorbereiten konnte. Cuaron vermag sowohl die Schönheit des Weltraums eindrucksvoll zu zeigen, als auch die Gefahr, der man sich aussetzt, wenn man dort zugange ist. Hochspannend von Anfang bis Ende, optisch und soundtechnisch eine Wucht (ich hätte mir gewünscht, ihn einmal in Dolby Atmos sehen zu können), sollte unbedingt im Kino und auch definitiv in 3D gesehen werden. Auch auf nette Details der Weltraumphysik wurde geachtet (keine Explosionen, keine Geräusche, wenn nichts da ist, das den Schall leiten könnte), auch wenn es im weiteren Verlauf der Handlung an sich nicht mehr so realistisch zugeht, aber zum Zweck der Dramaturgie muss man das wohl hinnehmen. Bei aller Wiedergeburt-Metaphern, die Cuaron mehr als offensichtlich im Film platziert, bleibt es außerdem sowieso dem Zuschauer überlassen, ob der den Film nun für bare Münze nimmt oder doch eine ganz andere Deutung darin entdeckt. Einer der Top-Favoriten auf den besten Film des Jahres und zweifellos ein Meisterwerk!
10/10

The Great Gatsby (2013)

Baz Luhrmann macht sich mit seinen modernen Adaptionen alter Stoffe nicht nur Freunde, aber ich bin ein großer Fan. Bereits seine "Romeo & Julia"-Verfilmung mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes konnte mich voll und ganz überzeugen, "Der große Gatsby" mag nicht perfekt sein, aber er ist dennoch eine eindrucksvolle moderne Adaption eines der bedeutendsten literarischen Werke der amerikanischen Moderne. Die Geschichte eines Mannes, der sein ganzes Leben nur danach strebt, gut genug für die Liebe seines Lebens zu sein, ist zeitlos und funktioniert heute genauso gut wie damals. Den damals revolutionären Jazz heute durch Hip Hop Beats zu ersetzen mag für den ein oder anderen befremdlich sein, aber es funktioniert richtig gut, die Stimmung die damals geherrscht haben muss in die heutige Zeit zu transportieren, auch wenn alles andere optisch recht klassisch bleibt. Leonardo DiCaprio liefert mal wieder eine oscarreife Leistung ab, den möge er auch bitte endlich bekommen, wobei sich seine Mitstreiter Carey Mulligan und Joel Edgerton vor ihm nicht zu verstecken brauchen. Ein emotional wie optisch mitreißender Film.
8/10

Der Hobbit: Eine unerwartete Reise (The Hobbit: An Unexpected Journey) (Extended Edition) (2012)

Bevor man teures Geld in einen erneuten Bluray-Kauf steckt, habe ich mich dazu entschlossen, doch erstmal die günstigere Variante zu wählen und den Extended Cut des ersten Hobbit-Films aus dem amerikanischen iTunes zu streamen. Zum Glück, denn der Film, der bereits in seiner Kinofassung zu lang war und unter Tempoproblemen leidet, wird im Extended Cut nicht unbedingt besser. Zu allem Überfluss befinden sich die meisten Neuerungen in der ohnehin schlechteren ersten Hälfte des Filmes. Es mag einige nette Details geben, einige von ihnen sind aber auch unpassend, besonders eine Szene die andeutet, Bilbo könnte schon damals die größere Bedeutung des von ihm gefundenen Ringes wissen. Vor allem aber gibt es zwei nervige neue Songs, einen von den Zwergen in Bruchtal und einen vom Goblin-König. Beide wirken deplatziert und machen alles andere als Spaß. Ich betone hier also nur die negativen Aspekte der längeren Fassung, obwohl mir die Kinofassung eigentlich ziemlich gut gefallen hatte. Die bekommt mit Fan-Bonus ein Pünktchen mehr, auch in der Hoffnung, dass der Film im Gesamtzusammenhang als Einleitung der Trilogie am Ende besser dasteht, als momentan als alleinstehender Film.
7/10

Island of Lost Souls (1932)

Die erste Verfilmung von H.G. Wells' "Die Insel des Dr. Moreau", in der Dr. Moreau auf einer Insel an Tieren experimentiert, die er durch künstliche Evolution zu Menschen machen will und sich dann selbst als Herrscher über seine neue Rasse von Wilden stellt. Der Film hat eine tolle albtraumhafte, klaustrophobische Atmosphäre und reiht sich nahtlos in die Reihe großartiger Horrorklassiker aus den 1930er Jahren ein. Charles Laughton stielt allen die Show als diabolischer Dr. Moreau und das Creature Design tut das übrige. Fans alter Horrorfilme sollten den nicht verpassen.
8/10

Jackass Presents: Bad Grandpa

Drei Jahre nach "Jackass 3D" versucht es die Jackass-Crew um Johnny Knoxville noch einmal, diesmal mit so etwas wie einer Handlung. Der kleine Billy muss von seinem Großvater Irving, gespielt von Jonny Knoxville in durchaus überzeugendem Altmänner-Makeup, zu seinem Vater gebracht werden, da seine Mutter leider wieder in den Knast einwandern muss. Unterwegs verhalten sich die beiden alles andere als vornehm, platzen in Hochzeiten rein, treiben böse, geschmacklose Streiche und ein Furzwettbewerb kann auch schonmal damit enden, dass einer der beiden die Wand mit Sprühschiss verziert. Das einzig witzige ist das Finale, aber das hat man a) bereits im Trailer gesehen, der ungefähr vor jedem Kinofilm lief, sodass die Chance, dass man schon nicht mehr drüber lachen konnte, bevor man den Film überhaupt gesehen hat, ziemlich groß ist und b) dreist aus "Little Miss Sunshine" geklaut wurde. Nun ja, der Film wird sein Publikum finden, Freunde niveaulosen Humors kommen hier wohl auf ihre Kosten.
2/10

Liberace - Zuviel des Guten ist Wundervoll (Behind the Candelabra) (2013)

Ich bin faul und verweise auf meinen ausführlichen Text dazu.
8/10

Looper (2012)

Ja, ich bin ein Fan von Science-Fiction Filmen und ein noch größerer Fan von Rian Johnson, dessen beiden anderen Filme "Brick" und "The Brothers Bloom" ich ebenfalls vergöttere (außerdem hat er bei der wohl besten Folge von "Breaking Bad" Regie geführt). In "Looper" ist Zeitreisen zwar Realität, aber eigentlich verboten und wird nur noch von Kriminellen eingesetzt, unerwünschte Personen in die Vergangenheit zu verfrachten um sie dort umbringen und spurlos verschwinden zu lassen. Joe, gespielt von Joseph Gordon-Levitt, ist ein solcher "Looper", der die Drecksarbeit der zukünftigen Mächtigen erledigt, doch irgendwann muss jeder Looper seinen eigenen Loop (engl. Kreis) schließen, d.h. er bring sich unwissentlich selbst um, erhält richtig viel Gold dafür und kann sich noch weiter 35 Jahre vergnügen. Doch der erwachsene Joe (Bruce Willis) will sich nicht töten lassen und so kommt es zum Duell zwischen dem jungen und alten Joe auf Leben und Tod. Die Idee ist originell, die Umsetzung außerordentlich gut gelungen, auch wenn sich im weiteren Handlungsverlauf einige nicht originellen Ideen finden, die aber gut in Gesamtbild passen. Ein konsequentes Ende rundet einen durch und durch hervorragenden Film ab. Unbedingt anschauen.
9/10

Mademoiselle Populaire (2012)

Für Rose Pamphyle deuten alle Zeichen auf ein Leben als Hausfrau hin, doch sie will sich damit nicht zufrieden geben. Sie bewirbt sich als Sekretärin, doch das Vorstellungsgespräch verläuft desaströs. Allerdings zeigt sich ein außergewöhnliches Talent, Rose kann wahnsinnig schnell auf der Schreibmaschine tippen. Ihr neuer Chef Louis erklärt sich zu ihrem Trainer und will sie zur schnellsten Schreibmaschinentipperin der Welt machen, wofür es tatsächlich einen Wettbewerb gibt. Der Film strotz nur so vor guter Laune und Charme, vor allem dank der sympathischen Hauptdarstellerin und dem visuell toll eingefangenen 50er-Jahre Setting. Es fehlt ein wenig an Substanz und die Tropen der Filme der 50er-Jahre werden zwar absichtlich bedient, wenn auch nicht so satirisch zerlegt, wie es die Serie "Mad Men" kann, aber trotz allem macht "Mademoiselle Populaire" einfach Spaß und gute Laune.
7/10

Nosferatu (1922)

Endlich habe ich diesen Horrorklassiker der Stummfilmära auch gesehen. Die nicht autorisierte "Dracula"-Verfilmung wäre nach dem folgenden Rechtsstreit beinahe vollständig zerstört worden, doch glücklicherweise überlebte das ein oder andere Exemplar des Films und kann demnächst in einer HD-Restauration des britischen Eureka Home Entertainment zu neuem Glanz erstrahlen. Der Film von F.W. Murnau beeindruckt auch heutzutage noch durch seine einzigartige Atmosphäre und starken Bilder aus, die nichts von ihrer Kraft eingebüßt haben. Max Schreck als Nosferatu/Dracula ist legendär, da half sicher auch das wahnsinnig gute Makeup. Ich freue mich schon darauf, den Film in HD nochmals zu erleben.
8/10

00 Schneider: Im Wendekreis der Eidechse (2013)

Ich versuche nicht einmal die Handlung von Helge Schneiders neuestem Leinwandabsurdum zusammenzufassen. Vermutlich funktioniert der Film nur für große Fans des schrägen Vogels, ich habe mich im Sitz gewunden und fand ihn von vorne bis hinten unerträglich, habe nicht ein einziges Mal auch nur geschmunzelt und was die ganzen Transen in dem Film machen habe ich erst recht nicht verstanden. Ganz ganz großer Mist.
0/10

The Place Beyond the Pines (2013)

Motorrad-Stuntfahrer Luke (Ryan Gosling) erfährt von einer alten Flamme, dass er ein Kind gezeugt hat und will alles stehen und liegen lassen um sich als verantwortungsbewusster Vater zu erweisen. Zur finanziellen Unterstützung überfällt er Banken. Doch er wird zu gierig und als sich seine Wege mit dem jungen Polizisten Avery (Bradley Cooper) kreuzen, was weitreichende Folgen für beide hat. Man sollte nicht zu viel über die Handlung wissen, denn das Geschehen entwickelt sich unvorhergesehen und was als Vater-Sohn Drama beginnt entwickelt sich bald zur Generationen übergreifenden Studie über Schuld, Sühne und Verantwortung. Etwas konstruiert um seine thematischen Aussagen unterzubringen, aber trotzdem ist dieses ambitionierte Epos sehr sehenswert. Eine ausführliche Besprechung hierzu von mir gibts in der kommenden Ausgabe des AGM-Magazin.
8/10

Prakti.com (The Internship) (2013)

Vince Vaughn und Owen Wilson in einer neuen Komödien-Gurke von Shawn Levy. Zwei Uhrenverkäufer werden vom digitalen Wandel überrollt und verlieren ihre Jobs. Nach erfolgloser Jobsuche ziehen die beiden ein Praktikum bei Google an Land und müssen sich gegen Horden hochintelligenter Uni-Abgänger durchsetzen. Das Ganze fühlt sich an, als wäre das Drehbuch vor mindestens 10 Jahren geschrieben worden und hätte seitdem irgendwo in einer staubigen Kiste auf seine Verfilmung gewartet. Die Story ist ihrer Zeit weit hinterher, ebenso wie viele der Gags (etwa die X-Men Witze die bereits im Trailer zu sehen waren). Überlang, klischeebeladen und kaum witzig.
4/10

Prisoners (2013)

Der Regisseur des oscarnominierten "Incendies" gibt sein Hollywood-Debüt und was für eines! Zwei Mädchen verschwinden nahezu spurlos, ein geparkter RV ist das einzige Indiz, dem die Polizei nachgehen kann. Doch er Fahrer ist dermaßen geistig minderbemittelt und schmächtig, dass er wohl kaum der Täter sein kann und aus Mangel an Beweisen von der Polizei wieder auf freien Fuß gesetzt werden muss. Als die Zeit voranschreitet und die Polizei weiterhin im Dunkeln tappt, entscheidet sich einer der Väter, die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen und alle Mittel einzusetzen um seine Tochter wieder zu finden. Wie weit würde man wohl gehen um das Leben des eigenen Kindes zu retten? Das ist die zentrale Frage des langsam und gleichzeitig hochspannend erzählten, atmosphärischen Thrillers. Hugh Jackman dürfte seine beeindruckende Leistung die zweite Oscarnominierung einbringen und auch Jake Gyllenhaal beweist erneut dass er ein sicheres Händchen bei seiner Rollenwahl hat. Über weite Strecken war der Film für mich eindeutig auf 9/10-Kurs, doch im letzten Drittel entwickelt sich die Handlung etwas zu generisch, sodass es nicht ganz zu einer höheren Wertung reicht. Verpassen sollte man den Film aber keinesfalls, er ist zweifellos einer der besten Thriller des Jahres.
8/10

Re-Animator (1985)

Der geniale Medizinstudent Herbert West ist besessen davon, Tote wieder zum Leben zu erwecken und hat dazu ein neongrünes Serum entwickelt. Noch sind es aber eher Zombies, als wiedererweckte Menschen, die seine Erfindung hervorbringt. Sein korrupter Vorgesetzter will die Entdeckung für sich und gibt sich gönnerhaft, indem er West die Stelle seines Assistenten anbietet, während er den Ruhm einheimsen will. Das kann West nicht zulassen und ein blutiger Kampf entbricht. Beim Horror-Klassiker nach einer Vorlage von H.P. Lovecraft hatte ich ja eher mit wirklichem Horror gerechnet als mit dieser Mischung aus Horror und trockenem, schwarzem Humor. Ein wirklich großer Spaß, der es gerne in allen Belangen übertreibt, vor allem beim Blut.
8/10

Rush (2013)

Ron Howard inszeniert einen überaus überzeugenden "Formel 1"-Film, der nicht, wie man vielleicht erwarten könnte zu Niki Lauda Biopic mutiert, sondern die Rivalität und Freundschaft der beiden Fahrer Niki Lauda und James Hunt zeigt. Beide bekommen gleichermaßen Beachtung und auch wenn die Handlung soweit ich gehört habe, nicht immer der tatsächlichen Geschichte entspricht, konnte mich der Film durchweg gut unterhalten. Und das, obwohl ich sonst Formel 1 tierisch langweilig finde. Howard inszeniert die Rennszenen aber geschickt und meidet auch durch zu viele Rennen repetitiv zu werden. Chris Hemsworth und Daniel Brühl dürften die Optimalbesetzungen für ihre jeweiligen Rollen sein und vor allem Brühl dürfte sich durchaus Hoffnungen auf eine Oscarnominierung machen.
8/10

Sein letztes Rennen (2013)

Das ist wohl eine der Überraschungen des Kinojahres schlechthin für mich. Dieter Hallervorden spielt Paul Averhoff, einen ehemaligen Olympiasieger im Marathonlauf, der nun aber im Herbst des Lebens angekommen ist und einsehen muss, dass er und seine Frau den Alltag nicht mehr ohne Hilfe bewältigen können. Doch er will nicht hinnehmen, dass das Altersheim die Endstation ist und macht sich auf, noch einmal Lebensmut zu fassen und erneut den Berlin Marathon zu laufen. Der Film schafft die perfekte Mischung zwischen Komödie und Drama und ich garantiere, da bleibt kein Auge trocken. Sowohl vor Lachen als auch aufgrund der starken emotionalen Resonanz der sich wohl kaum ein Zuschauer entziehen werden kann. Dieter Hallervorden liefert die mit Abstand beste Leistung ab, die ich in den letzten Jahren in einem deutschen Film gesehen habe. Einzig der Nebenhandlungsstrang um die Tochter, gespielt von Heike Makatsch, kann nicht vollends überzeugen, ansonsten ist "Sein letztes Rennen" ganz ganz großes Kino.
9/10

The Shining (1980)

Ich glaube zu diesem Klassiker von Stanley Kubrick wurde bereits alles gesagt, was es zu sagen gibt. Lange weilte der Film auf meiner List of Shame, jetzt habe ich ihn endlich gesehen und war durchaus angetan, wenn auch nicht restlos begeistert. Ich liebe die oft symmetrisch konstruierten Bilder und die wahnsinnige Atmosphäre des Films, auch wenn er mir nicht ganz so unter die Haut ging, wie ich das gehofft hatte. Bin wohl doch etwas zu abgebrüht. Alleine schon für Jack Nicholson in einer seiner besten Rollen überhaupt lohnt sich der Film.
8/10

Die Spur des Fremden (The Stranger) (1946)

Orson Welles selbst sagte über diesen Film, dass es in seinen Augen sein schwächster wäre, doch ich finde, "Die Spur des Fremden" ist durchaus sehenswert. Er handelt vom Kriegsverbrecher Franz Kindler, der als geistiger Vater der Konzentrationslager gilt und in Connecticut Zuflucht sucht, wo er sich als Geschichtsprofessor großer Beliebtheit erfreut und die Tochter eines Richters heiratet. Doch Mr. Wilson von der Kriegsverbrecherkommission ist Kindler auf der Spur. Die Geschichte ist recht geradlinig und genretypisch. Doch es schwingt viel Politisches mit, was in einer hitzigen Diskussion der Dinner-Szene gipfelt und der Film zeigte als erster Spielfilm echte Aufnahmen aus den Konzentrationslagern. Auch wenn das Endprodukt sonst eher kommerziell ist (und tatsächlich einer der wenigen kommerziellen Erfolge von Orson Welles war), schafft es der Regisseur in dem Katz-und-Maus-Spiel seinen persönlichen Inszenierungsstil aufrecht zu erhalten. Auch wenn er nicht ganz so raffiniert ist wie bei "Citizen Kane" und ihm letztlich der Schnitt vom Studio abgenommen wurde, was mitunter merklich ist.
7/10

Tattooed Life (Irezumi ichidai / 刺青一代) (1965)

Ich bin ja ein Fan von Seijun Suzuki und hatte gehört, dieser eher unbekannte Film von ihm sei dennoch einer seiner besten. Leichte Enttäuschung vorprogrammiert. Zwei Brüder müssen fliehen, nachdem einer der beiden einen Yakuza Boss in einem Hinterhalt umgebracht hat. Yakuza und Polizei sind gleichermaßen hinter den beiden her, als sie versuchen sich nach Manchuria durchzuschlagen. Doch sie verlieren all ihr Geld und müssen eine Arbeit beim Tunnelbau annehmen. Die Angelegenheit wird zusätzlich verkompliziert als sie sich jeweils in die Tochter bzw. Frau ihres neuen Bosses verlieben. Gerade dieser überwiegend romantische Mittelteil sorgt dafür, dass sich der Film insgesamt trotz seiner kurzen Laufzeit ein wenig zieht. Er ist aber wichtig um auf das Finale hinzuarbeiten, das absolut herausragend und das Beste am ganzen Filmist. Ansonsten ist der Film eher langsam erzählt, aber wie so oft bei Suzuki übertrifft er die meisten seiner Kollegen allein schon in Sachen Style.
7/10

Turbo (2013)

Turbo ist eine Schnecke, die von immer davon träumt schnell zu sein. Er liebt Autorennen und eines Nachts wird er durch das Getriebe eines Street-Racing-Autos gesaugt, wodurch seine ganze DNS durcheinander gewirbelt wird und er nun endlich rasend schnell durch die Gegend düsen kann. Der Film ist knallbunt und bietet genug actionreiche Unterhaltung um die Zielgruppe bei der Stange zu halten, aber selbst sie müssen sich fragen, was für ein Schwachsinn das eigentlich ist, dass doch tatsächlich eine Schnecke bei einem von Menschen veranstalteten Autorennen antritt. Erinnerte in der Hinsicht an Pixars Ratatouille (und auch von "Cars" hat man sich scheinbar kräftig "inspirieren" lassen), wobei der das irgendwie weit überzeugender rüberbrachte. Ansonsten ist "Turbo" durchschnittliche Animationskost, nicht mehr rund nicht weniger.
5/10

2 Guns (2013)

Hollywood scheint die Buddy-Cop-Komödie wiederbeleben zu wollen und dieses Jahr lief dieses Unterfangen in jedem Fall eher schlecht als recht. Schon die weibliche Variante "Taffe Mädels" war großer Mist, "2 Guns" ist leider auch nicht viel besser. Mark Wahlberg und Denzel Washington spielen beide Gesetzeshüter im undercover Einsatz, aber beide kommen von unterschiedlichen Stellen und wissen gegenseitig zunächst nichts von ihrer Doppelrolle. Als sie es dann doch tun bricht das große Chaos aus, mit einem guten Maß an Brutalität, wenn auch nicht gerade guten Actionszenen, dummen Sprüchen und einem unnötig zwanghaft verschachtelt konstruierten Plot, der ziemlich nervt, ebenso wie seine Hauptfiguren.
4/10

UMMAH - Unter Freunden (2013)

Das Regiedebüt des türkischstämmigen Filmemachers Cüneyt Kaya ist durchaus gelungen. Schade, dass der Film nicht mehr Beachtung erlangt hat, hätte ich nicht bei einem anderen Film den Trailer dazu gesehen, wäre er auch an mir vorbei gegangen. Mein Interesse weckte er vor allem dank der Besetzung von Frederick Lau, der für mich zu den besten Nachwuchsschauspielern der letzten Jahre gehört und der hier eine seiner bisher besten Leistungen abliefert. Er spielt den Polizisten Daniel, der für den Verfassungsschutz gearbeitet hat und nach einem missglückten Einsatz, bei dem zwei Neonazis zu Tode gekommen waren, erst einmal am Boden ist und sich eine Auszeit nehmen will. Sein Arbeitgeber überlässt ihm eine Wohnung in einer überwiegend türkisch-arabisch bewohnten Gegend Berlins, wo er schon bald Freundschaften schließt, doch der Verfassungsschutz hat noch andere Motive. Ich hätte den Film gerne noch mehr gemocht. Denn er bietet interessante Einblicke in das Leben türkischstämmiger Deutscher und befasst sich mit wichtigen Themen. Die Vorurteile und schlechte Behandlung, denen sie sich alltäglich ausgesetzt sehen, Jugendkriminalität, aber auch den Wert von Familie und Gemeinschaft. All das immer lieber mit einer Prise Humor als mit erhobenem Zeigefinger. Doch am Ende bleibt der Film trotzdem etwas zu schwarz/weiß. Auf der einen Seite der durch und durch korrupte, böse Verfassungsschutz, auf der anderen Seite die missverstandenen, armen Türken. Da reicht es nicht, mal einen beim Drogen verticken zu zeigen. Ich weiß, das klingt jetzt irgendwie fremdenfeindlich, ist aber definitiv nicht so auszulegen, bitte. An sich ein durchaus sehenswerter Film.
7/10

Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2 (Cloudy with a Chance of Meatballs 2) (2013)

Nach den Unfällen des ersten Teils beginnt das große Aufräumen der Essensreste, die Flint Lockwoods unglaubliche Erfindung hinterlassen hat. Dabei hilft ie Live Corp Company rund um Flints Idol Chester V. But, doch bald stellt sich heraus, dass die Maschine gar nicht erfolgreich zerstört wurde, sondern weiterhin aktiv ist und sogar lebende Essens-Tiere hervorgebracht hat. Wer Teil 1 schon mochte, wird mit dem zweiten ähnlich gut unterhalten. Die Story mag zwar sehr durchschaubar sein, aber dafür gibt es jede Menge niedlicher Tierchen, netter Einfälle und vor allem viele gute Witze. In der deutschen Fassung dürften sogar viele davon auf der Strecke geblieben sein, den schon der erste Teil konnte mit vielen Wortwitzen aufwarten, die kaum aus dem englischen übersetzbar sind. Noch dazu nervt in der deutschen Fassung Cindy aus Mahrzahn, die wohl vor allem deswegen gewählt wurde, da sie ihrer Figur irgendwie ähnlich sieht, nicht etwa weil sie eine so gute Synchronsprecherin wäre.
7/10

You're Next (2013)

Es geht los wie bei so vielen andern Filmen dieser Art. Eine Familie trifft sich in einem abgelegenen Haus, wird aber schon bald von maskierten Killern heimgesucht, die sie scheinbar grundlos einen nach dem anderen umbringen. Der Film braucht etwas um in Fahrt zu kommen und die einzelnen Mitglieder einer dysfunktionalen Familie vorzustellen und man fragt sich nicht selten ob der Film denn nun ernst gemeint sein soll, oder lustig, oder ob er einfach nur schlecht ist. Doch nach dieser anfänglichen Verwirrung nimmt "You're Next" schnell richtig Fahrt auf und es wird klar: dieser Film soll Spaß machen. Und das tut er! Geschickt werden diverse Horror-Klischees bedient und gleichzeitig durch den Kakao gezogen und beispielsweise nett erklärt, wie es denn sein kann, dass es scheinbar immer ein Opfer gibt, das einfach nicht tot zu kriegen ist. Brutale, einfallsreiche und teils unvorhergesehen stattfindende Tötungsszenen sind zahlreich vorhanden und natürlich jede Menge tiefschwarzen Humors. Mit dem richtigen Publikum und vielleicht ein paar Bier ein gewaltiger Spaß!
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