Filmofen

Liberace - Zuviel des Guten ist wundervoll (Behind the Candelabra) (2013)

03.10.2013

Inhalt:

Im Sommer 1977 besucht der Landjunge Scott (Matt Damon) zum ersten Mal eine pompöse Show des begnadeten Pianisten und Entertainers Liberace (Michael Douglas) und findet sich dank seines Freundes Bob (Scott Bakula) hinterher in Liberaces Garderobe wieder. Scott ist geblendet vom grenzenlosen Luxus und Liberace ist sogleich hin und weg von dem jungen, blonden Adonis. Zwischen den beiden entflammt eine innige Affäre, zunächst erfüllt von Glück, großen Gefühlen und heißem Sex, doch schon bald drohen Eifersucht und Eitelkeiten die Beziehung zu zerstören.

Review:

Eigentlich hatte Regisseur Steven Soderbergh nach seinem Film “Side Effects” den Abschied aus dem Kinogeschäft verkündet. Es sollte “Liberace - Zuviel des Guten ist wundervoll” also eigentlich gar nicht geben. Doch streng genommen hält sich Soderbergh ja an das, was er gesagt hat, schließlich wurde der ursprünglich bereits 2008 als unabhängige Kinoproduktion konzipierte Film letztlich von HBO als TV-Film produziert und erscheint nur außerhalb der USA im Kino, wo seine Thematik womöglich mehr Zuschauer ziehen wird als im überwiegend prüden Amerika. Wie dem auch sei, es ist äußerst erfreulich, dass Soderbergh einen weiteren Film gemacht hat und man sollte ihn keinesfalls verpassen.

Man könnte meinen, der deutsche Untertitel "Zuviel des Guten ist wundervoll" sei, wie so oft, eine grausige Hinzudichtung des deutschen Filmverleihs. Doch es handelt sich dabei um ein Zitat der Schauspielerin Mae West, das Liberace selbst gerne und oft wiederholte und treffender könnte man den Film nicht beschreiben. Das Leben und die Shows Liberaces zeichneten sich eben genau dadurch aus: grenzenlose Extravaganz.

Der Film spiegelt das in beeindruckendem Maße wieder (noch dazu wenn man bedenkt, dass es sich eigentlich um eine TV-Produktion handelt, der Film aber keinesfalls danach aussieht sondern eher nach teurem Event-Kino). Die Frisuren sitzen immer perfekt, mit literweise Haarspray zart erstarrte Föhnwellen, die Kostüme sind mal pompös glitzernd, mal dick auftragender Pelz, der überladende Schmuck besteht aus den ausgefallensten und exzentrischsten Klunkern die man sich vorstellen kann, all das passt perfekt und transportiert den Zuschauer glaubhaft in die späten 70er bzw. frühen 80er zurück. Die Ausstattung ist farbenprächtig und opulent, überall Prunk und Luxus, soweit das Auge reicht. Für die Nachbildung von Liberaces Appartement wurde sogar eine Vielzahl seiner Besitztümer wieder zusammengetragen, um möglichst große Authentizität zu erreichen. Mit Erfolg.

Doch bei all dem schillernden Glamour, mit dem die Biographie des einst größten und bestbezahlten Entertainers Amerikas gefeiert wird, bei all dem Kitsch und den Klischees, mit denen Soderbergh gekonnt spielt, erzählt er eigentlich eine tragische Geschichte, die er nie aus den Augen verliert. Die Liebe zweier Männer, die zu ihrer Zeit noch stark tabuisiert war und die Probleme, mit denen sie zu kämpfen hatten. Die ewige Geheimnistuerei, das Konstruieren und Aufrechterhalten von komplexen Lügengeflechten Liberaces um seine Neigungen geheim zu halten, was auch seinem Liebhaber mehr und mehr zu schaffen macht.

Michael Douglas und Matt Damon verkörpern ihre Rollen, die weitab der Norm für beide liegen, mit Bravour und mindestens einer von ihnen hätte dafür eigentlich einen Oscar verdient. Denn Michael Douglas verschwindet gänzlich in der Rolle des Liberace und ist kaum mehr zu erkennen, weder in seinem Auftreten, noch anhand seiner Stimme. Es ist eine Gratwanderung, so überzogen wie nötig und gleichzeitig so glaubhaft wie möglich sein zu müssen. Douglas meistert sie perfekt. Er IST einfach Liberace. Matt Damon bekommt weit mehr Material um eine Entwicklung im Laufe des Filmes zu durchlaufen und sie gelingt ihm hervorragend, auch wenn 42-jährige ehemalige “Sexiest Man Alive” vielleicht nicht unbedingt die beste Wahl war, um den naiven Jüngling im ungefähren Alter von 18-25 darzustellen. Nicht unerwähnt bleiben sollen überdies Rob Lowe als herrlich schräger Schönheitschirurg, Debbie Reynolds als Liberaces Mutter und Dan Aykroyd als sein Agent. Aus all seinen Darstellern holt Soderbergh von gut bis hin zu herausragend reichende Leistungen heraus. Nicht umsonst hat er einen Oscar für die beste Regie zuhause stehen.

Beim amerikanischen Fernsehpreis, den Primetime Emmys, wurde “Liberace - Zuviel des Guten ist wundervoll” in den Kategorien “Herausragender Hauptdarsteller in einer Miniserie oder einem TV-Film”, “Herausragende Regie einer Miniserie oder eines TV-Films” und “Herausragende Miniserie oder TV-Film” ausgezeichnet. Zu Recht, doch der Film hätte es wahrlich verdient gehabt, auch mit größeren Filmpreise ausgezeichnet zu werden, was ihm mangels amerikanischem Kinostart leider verwehrt bleiben wird. Aber auch ganz unabhängig davon, ist er einfach ein Film, der auf die große Leinwand gehört.

“Liberace - Zuviel des Guten ist wundervoll” ist einerseits ein pompöser Unterhaltungsfilm, der den großen Entertainer Liberace würdig feiert, andererseits ein intimes Drama, das den Menschen Liberace angemessen portraitiert. Absolut sehenswert!

8/10