Filmofen

Mr. Morgan's Last Love (2013)

14.08.2013

Inhalt:

Matthew Morgan (Michael Caine) ist ein amerikanischer Philosophieprofessor, der seinen Ruhestand in der Wahlheimat Paris verbringt. Doch nach dem Tod seiner Frau, die von beiden die Frankreichbegeisterte war, fühlt er sich weder in Frankreich besonders heimisch, noch sieht er in seinem Weiterleben einen besonderen Sinn. Das ändert sich als er die junge Pauline (Clémence Poésy) kennenlernt, mit der er schon bald eine enge Freundschaft entwickelt und die ihm etwas Licht in seinen tristen Alltag bringt. Matthews Kinder Miles (Justin Kirk) und Karen (Gillian Anderson) sind von der neuen Frau im Leben ihres Vaters allerdings nicht allzu begeistert.

Review:

Die erste Hälfte von Sandra Nettelbecks Verfilmung des Romans von Françoise Dorner ist äußerst gelungen. Michael Caine beweist nicht zum ersten Mal, dass er ein ausgezeichneter Charakterdarsteller ist und verkörpert die Rolle des Mr. Morgan mit viel Feingefühl und überaus sympathisch. Dasselbe gilt für Clémence Poésy, die außerhalb Frankreichs wohl lediglich für ihre Rolle der Fleur Delacour in mehreren "Harry Potter"-Filmen bekannt sein dürfte, was sich aber hoffentlich bald ändern wird. Von ihr würde man gerne mehr sehen. Sowohl für Matthew als auch für den Zuschauer ist sie der absolute Lichtblick. Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt einfach und sorgt dafür, dass die Beziehung der beiden trotz des gehörigen Altersunterschieds sehr überzeugend ist. Auch wenn der Titel etwas anderes vermuten lässt, bleibt die (Liebes-)Beziehung zwischen Matthew und Pauline immer rein platonisch und ohne körperliche Zuneigung, eher wie eine enge Vater-Tochter-Freundschaft. Sie helfen sich gegenseitig in ihrem Alltag wieder einen Sinn zu sehen und die Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Regisseurin Sandra Nettelbeck, die auch das Drehbuch geschrieben hat, inszeniert ihren Film mit viel Feingefühl, in der ersten Hälfte findet sie einige wunderbare Momente, vom Spazierengehen in der Stadt und gemeinsamem Essen im Park, über einen zweisamen Ruderausflug bis hin zu fröhlichen Tanzstunden. Visuell in wunderschönen Bildern eingefangen wurde das Ganze von Kameramann Michael Bertl. Nettelbeck gestaltet den ersten Teil des Films als locker-leichtes und sehr humorvolles Feel-Good-Movie bevor sie sich im zweiten Teil ganz dem Drama hingibt.

Es findet ein regelrechter Bruch von fröhlicher Beziehungskomödie zu reinem Familiendrama statt, in dem zwei neue Nebenfiguren auftauchen, deren Zeichnung weit weniger ausgewogen ist, als die der Hauptpersonen. Während der Sohn Miles ein durchaus interessanter Charakter ist und die Streitgespräche mit seinem Vater zu den besten Momenten der zweiten Filmhälfte zählen, ist die desinteressierte, schimpfende Tochter Karen eine eher nervige und eigentlich unnötige Figur.

Es ist etwas schade, dass sich der Film in der zweiten Hälfte zu einem weitgehend konventionellen Familiendrama entwickelt, dessen Fortgang man recht leicht erahnen kann. Mit Ausnahme vielleicht des Endes, das den Film allein dann aber auch nicht retten kann.
Unbedingt noch positiv hervorzuheben ist die schlichte, zurückhaltende, aber den Film perfekt unterstützende Musik von Hans Zimmer, der unter Beweis stellt, warum er einer der gefragtesten Filmmusikkomponisten überhaupt ist und dass er auch abseits des pompösen Hollywood-Blockbuster-Kinos noch ein feines Gespür für Musik hat und wunderschöne Melodien komponieren kann.

"Mr. Morgan's Last Love" ist dank seiner hervorragend harmonierenden Schauspieler und der feinfühligen Hand von Regisseurin Sandra Nettelbeck eine durchaus sehenswerte Familiendramödie, die bei knapp zweistündiger Laufzeit auch niemals langweilig wird, aber nach einem hervorragenden Beginn leider aufgrund des etwas zu herkömmlichen Handlungsverlaufes in der zweiten Hälfte kein allzu außergewöhnliches Filmerlebnis darstellt.

7/10