Filmofen

Not Fade Away

09.09.2013

Inhalt:

New Jersey in den 1960er Jahren. Die Rolling Stones sind gerade im Kommen und auch Douglas (John Magaro) träumt davon, Teil einer erfolgreichen Rock and Roll Band zu sein. Wie in jeder Band gibt es Spannungen, Streitereien, Rollen- und Personalwechsel, Erfolge und Misserfolge. Auch in der Familie hat Douglas Probleme. Sein Vater (James Gandolfini) ist von dem Weg, den sein Sohn einschlägt, nicht gerade begeistert, ganz zu schweigen von Frisur und politischen Ansichten. Mit der Zeit muss Douglas der Realität ins Auge sehen und erkennen, dass sich sein Traum wohl nicht so einfach realisieren lässt.

Review:

David Chase, der Schöpfer der von Kritikern und Publikum gleichermaßen geliebten TV-Serie "The Sopranos" feiert nun mit "Not Fade Away" sein Spielfilmdebüt, das lose von seinen eigenen Jugend-Erfahrungen als Mitglied einer Cover-Band inspiriert wurde.

Dass Chase sonst im Bereich der Serien zuhause ist, wird in seinem Drehbuch leider nur allzu deutlich. In einer Serie können zahlreiche Handlungsstränge parallel behandelt werden und Figuren sich über eine lange Laufzeit entwickeln. In knapp zwei Stunden Spielfilm ist dies nicht ohne weiteres möglich und während einige Charaktere und ihre Wege sehr gut ausgearbeitet sind, gilt dies für andere weniger. Vor allem der Handlungsstrang der Hauptfigur Douglas ist überzeugend, sobald sich Chase aber einer seiner zahlreichen Nebenfiguren widmet, zeigt sich schnell, dass hier zu viele Nebenhandlungen, Ideen und Motive eingeflossen sind, für die in der kurzen Laufzeit einfach nicht genug Raum vorhanden ist.

Selbst die Liebesgeschichte von Douglas und Grace kann nicht vollends überzeugen, die von heftigen Streitgesprächen geprägte Beziehung zwischen Douglas dem rebellischen Sohn und seinem Vater, der sich nie selbst traute auszubrechen, dafür umso mehr. Auch wenn die äußere Handlung als Coming-of-Age Geschichte eines Teenagers, der vom großen Erfolg träumt und nach und nach zu der Erkenntnis gelangen muss, das er diesen Traum wohl nicht verwirklichen können wird, nicht ganz so gut funktioniert, wie es wünschenswert gewesen wäre, gibt es dennoch einiges zu mögen an "Not Fade Away".

Den Darstellern kann man reichlich wenig vorwerfen. Hauptdarsteller John Magaro stellt Douglas überzeugend dar und vermag es, die Sympathie des Zuschauers aufrecht zu erhalten, auch wenn es die Figur zwischenzeitlich nicht immer verdient. "Sopranos"-Veteran James Gandolfini genügen seine wenigen Szenen um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, während Bell Heathcote als Dougs Freundin Grace vor allem hübsch aussieht und Meg Guzulescu als dessen kleine Schwester Evelyn einen deutlich interessanteren Charakter spielt, allerdings nur recht wenig zu tun bekommt. Optisch wird die Zeit in welcher der Film spielt ausgezeichnet eingefangen, Kostüme, Frisuren, Set Design, Ausstattung, alles wirkt absolut authentisch. Diese Faktoren bieten zusammen die beste Voraussetzung, auch die Stimmung der Rock and Roll Zeit angemessen zu transportieren, gerade auch der perfekt gewählte Soundtrack und toll inszenierte Musikszenen unterstützen dies hervorragend. Technisch ein rundum gelungenes Stück Kino.

Doch selbst wenn der Film durchaus gut gemacht ist und auch weitgehen zu unterhalten weiß, genügt das leider nicht um ihn als wirklich guten Film zu bezeichnen. Ohne eine stimmige Rahmenhandlung geht das schlicht nicht. Als Liebeserklärung an den Rock and Roll funktioniert der Film gut, als Coming-Of Age Geschichte nur bedingt und als Geschichte einer aufstrebenden Band noch weniger.

Denn, dass diese Band es nicht zum große Erfolg schaffen wird, das ist von Anfang an klar, Douglas' Schwester offenbart dies schließlich bereits in den ersten Filmminuten. Warum man mit diesem Wissen bei den Bemühungen von Douglas & Co. 112 Minuten lang mitfiebern soll ist somit fraglich. Vor allem in Anbetracht eines von Ungewissheit geprägten Endes, das für eine unklare Zukunft stehen mag, allerdings eher den Eindruck erweckt, man hätte keine Idee gehabt, wie man den Film anständig hätte enden lassen können.

6/10