Filmofen

Playoff (2011)

22.05.2013

Inhalt:

Max Stoller ist der Held der israelischen Sportwelt als das Basketball-Nationalteam unter seiner Führung zum Europameister wird. Das sorgt für Aufsehen, auch im von Basketball-Pech geplagten Deutschland. Ausgerechnet das Land, aus dem Max in seiner Kindheit als Jude fliehen musste, bietet ihm nun den Posten des Nationaltrainers an. Nach außen hin gibt Max sich gelassen und betont stets es sei ein Job wie jeder andere. Dennoch findet er nur schwer Anschluss und kann seine Vergangenheit nicht gänzlich hinter sich lassen. Als er einer türkischstämmigen Frau bei der Suche ihres Mannes hilft, macht er auch unerwartete Entdeckungen über seine eigene Familie.

Review:

Zunächst scheint "Playoff" ein Sport-Drama zu sein wie viele andere auch. Der neue Trainer mit jeder Menge Vorschusslorbeeren eckt zunächst mit seiner Mannschaft an, weil er ihnen einen neuen Stil aufzwingen will und führt sie nach einigen Querelen dann doch zum großen Erfolg. Nimmt man dann noch als Hauptfigur einen Holocaust-Überlebenden, der in das ehemalige Nazi-Deutschland zurückkehrt, hat man doch schon eine gute Grundlage für eine Geschichte, die es sich zu erzählen lohnt. Sollte man zumindest meinen.

Doch leider schafft es Regisseur und Mit-Autor Eran Riklis überhaupt nicht aus seiner vielversprechenden Prämisse eine interessante Geschichte zu machen. Steht zunächst der Basketball im Mittelpunkt, wird das Thema nach etwa einer halben Stunde bis kurz vor Ende komplett fallen gelassen um sich ausführlich der Figur des Max Stoller (frei basierend auf dem echten Basketball-Trainer Ralph Klein) und seinem Kampf mit der Überwindung der eigenen Vergangenheit und Schuld zu widmen. Auf seinem Selbstfindungstrip begleitet ihn die türkischstämmige Deniz, der er zunächst bei der Suche nach ihrem Ehemann hilft. Die Geschichte entwickelt sich höchst konventionell und die unerwartete Entdeckung die an ihrem Ende steht, ist so unausweichlich und vorhersehbar wie das Amen in der Kirche. Es ist dabei geradezu ärgerlich, wie ungemein harmonisch - man könnte sogar sagen utopisch - sich alle Konflikte am Ende auflösen und letztlich die Schuldfrage Stollers völlig unnötig machen. Ein wenig Liebesgeschichte darf dabei natürlich auch nicht fehlen.

Ein höchst mäßiges Drehbuch liegt dem Film also zugrunde, das voll von leeren Floskeln und platter Symbolik ist und Figuren zeigt, die kaum über stereotype Schablonen hinauskommen. Einige interessantere Ansätze, die durchaus erkennbar sind, bleiben andererseits kläglich unterentwickelt.

Man könnte die ganze Geschichte auch als eine Allegorie zur internationalen Politik der Zeit in der sie spielt auslegen. Jedem beteiligten Land könnte man eine der Figuren zuordnen und es ist sicherlich auch kein Zufall, dass sich die Mannschaft gerade auf ein Spiel gegen Italien vorbereitet. Doch auch das ist letztlich verschenkte Liebesmühe, denn es ist für die Gesamtqualität des Filmes lediglich ein unbedeutender Aspekt und es bedarf viel Fantasie um sich so etwas wie eine politische Aussage zusammenzureimen.

Nett gemeint, aber dieser Genre-Mix ist in der Ausführung sehr unausgewogen, unglaublich zäh und schlicht langweilig.

3/10