Filmofen

Promised Land (2012)

12.06.2013

Inhalt:

Steve Butler (Matt Damon) ist überaus gut in seinem Job. Für die Erdgasfirma Global Crosspower Solutions handelt er mit Landeigentümern und ganzen Städten Pachtverträge aus, verspricht den Menschen Millionen von Dollar und sichere, saubere Energie. Das idyllische Städtchen McKinley scheint einfache Beute zu sein, nachdem es von der Wirtschaftskrise arg getroffen wurde und daher die Millionen von Global dringend brauchen könnte. Doch ein Schullehrer (Hal Holbrook) und die Kampagne einer Umweltorganisation unter der Führung von Dustin Noble (John Krasinski) machen Steve seine Aufgabe unerwartet schwer.

Review:

"Promised Land" könnte zeitgemäßer kaum sein. Die Problematik, um die es im Kern letztlich geht, ist die des Fracking, jener Energiegewinnungs-Technologie, die derzeit in aller Munde ist und über die fieberhaft diskutiert wird. Einerseits erhoffen sich viele Staaten eine zumindest teilweise Unabhängigkeit von der Ölenergie, andererseits gibt es schwerwiegende Umweltbedenken. Gerade in den USA betreiben die Energiekonzerne einen Propagandakrieg für diese Methode, bei der Chemikalien tief in Gesteinsschichten gepumpt werden um das dort lagernde Erdgas an die Oberfläche zu pressen. Es ist also wenig überraschend, dass Matt Damon, der seine Freizeit zahlreichen humanitären Organisationen widmet, sich der Thematik annahm und als Ko-Autor, Produzent und Hauptdarsteller von "Promised Land" auftritt.

Man sollte meinen, dass er, der einmal einen Oscar für das beste Drehbuch gewonnen hat, einen aufregenden und brisanten Film schreiben könnte. Doch scheinbar ist Herr Damon dann doch ein wenig eingerostet, immerhin ist sein Drehbuch-Oscar für "Good Will Hunting" bereits 15 Jahre her, denn das Drehbuch, für das er maßgeblich verantwortlich ist, kann über weite Strecken nicht überzeugen. Die Problematik, die das Fracking darstellt, wird nur angerissen und nicht tief genug ergründet. Das Problem mag sein, dass die Titelfigur zunächst mit Leib und Seele von eben jenem Verfahren überzeugt ist, aber auch die Wendung, die gegen Ende des Filmes noch zur Überraschung der Zuschauer eingebaut wurde, sendet eine zweifelhafte Botschaft und lässt das eigentliche Problem in den Hintergrund treten. Dann geht es nur noch um eine Firma, die wirklich alles tun würde, um ihre Ziele zu erreichen. Der Kapitalismus gegen den kleinen Mann. Da wäre mehr drin gewesen. Stattdessen wird ein geradezu Hollywood-typisches Happy-End hingeschustert, von der moralischen Läuterung des Protagonisten bis hin zur privaten Erfüllung in Form einer hübschen brünetten Dame.

Als Darsteller kann Damon da schon eher überzeugen. Seine Figur ist herrlich zweischneidig, einerseits der sympathische Mann des Volkes, der selbst auf dem Land aufgewachsen ist und sich auch schon mal auf ein waghalsiges Trinkspiel in der Bar einlässt, andererseits der kalt berechnende Großkonzernangestellte, der den Menschen zwar zu Geld verhilft, sie aber dennoch mit ungewöhnlich niedrigen Prozentsätzen über den Tisch zieht und auch keine Scheu davor hat, Bestechungsgelder zu zahlen. Er hat diese Ambivalenz, die auch das Fracking besitzt, sodass seine Hauptfigur als Personifikation eben jener Technologie gesehen werden könnte, doch diese Stärke des Filmes wurde zu wenig ausgebaut oder schlicht nicht erkannt.

Ursprünglich wollte Damon auch noch Regie führen, heuerte dann aber doch seinen alten Freund Gus Van Sant an, der damals schon bei "Good Will Hunting" Damons Drehbuch verfilmte, ihn als Darsteller führte und seine Karriere ganz schön beflügelte. Wüsste man es nicht, man würde nicht erkennen, dass es sich um einen Film von Gus Van Sant handelt. Von seiner künstlerischen Handschrift fehlt jede Spur und die Inszenierung wirkt größtenteils langweilig-indifferent, also immerhin passend zum Drehbuch.

"Promised Land" ist aufrichtig und gut gemeint und kann auch durchaus unterhalten, was nicht zuletzt der gewissen humorvollen Leichtigkeit zu verdanken ist, die vor allem von der wie immer wunderbar schrulligen Frances McDormand als Steves Kollegin Sue befördert wird. Doch gerade diese Leichtfüßigkeit führt dazu, dass der Film die Brisanz und Ernsthaftigkeit vermissen lässt, mit der beispielsweise Steven Soderberghs "Erin Brokovich" aufwarten konnte. So kratzt der Film lediglich an der Oberfläche der Kernproblematik und ist trotz liebenswürdiger Figuren letztlich einfach zu konventionell und schlicht um als guter Film durchzugehen. Mehr seichtes Öko-Melodrama als brisanter Umweltthriller. Schade.

Blu-ray:

"Promised Land" erscheint in Deutschland von Universal Pictures Home Entertainment. Das AVC-codierte Bild überzeugt durch einen ordentlichen Transfer, wobei der Film an sich einen sehr naturalistischen Stil hat und man daher kein auf Hochglanz poliertes HD-Wunder erwarten sollte. Das Bild wirkt sehr filmisch und die beabsichtigte Körnung ist gut erhalten, nicht weggefiltert, was sich auch positiv auf den Detailreichtum auswirkt. Insgesamt ist die Präsentation sehr scharf mit nur wenigen weichen Momenten, die aber auch gewollt sein könnten. In einigen dunkleren Szenen schleicht sich etwas Bildrauschen ein, doch das dürfte dem Ausgangsmaterial geschuldet sein. Auch der Ton ist im Raumklang sehr zurückhaltend und eher frontlastig, wirkt aber authentisch und die Dialoge sind immer sehr verständlich. Das Bonusmaterial ist äußerst spärlich, es besteht lediglich aus einer unbedeutenden erweiterten Szene von 2 Minuten und einem 11-minütigen "Making of", das über die Entstehung des Filmes jedoch reichlich wenig offenbart, sondern vor allem aus Filmclips und einigen Kommentaren von Mitwirkenden besteht. Zumindest die Erstauflage ist mit einem Wendecover ohne FSK-Flatschen ausgestattet.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Universal Pictures Home Entertainment zur Verfügung gestellt.

"Promised Land" ist ab dem 24.10.13 auf Blu-ray und DVD erhältlich.

6/10