Filmofen

RED 2 (2013)

13.09.2013

Inhalt:

Die extrem gefährlichen Ruheständler Frank (Bruce Willis), Sarah (Mary-Louise Parker), Marvin (John Malkovich) und Victoria (Helen Mirren) sind zurück, älter, härter und besser denn je. Dieses Mal müssen sie die Welt vor der Bedrohung einer neuen Massenvernichtungswaffe beschützen, die vor Jahren vom verrückten Wissenschaftler Edward Bailey (Anthony Hopkins) erfunden wurde und nun durch Wikileaks-Dokumente ans Licht der Öffentlichkeit gelangt ist. Terroristen und Regierungen sind gleichermaßen hinter der neuen Waffe her und scheuen auch nicht davor zurück, den weltbesten Auftragskiller Han (Byung-hun Lee) auf das Team von Geheimdienstrentnern anzusetzen.

Review:

Frank und Konsorten sind zurück und das Motto der Fortsetzung über eine Gruppe von Geheimdienstrentnern, die ihr altes Leben einfach noch nicht an den Nagel hängen können, scheint zu sein: abgedrehter, größer, lauter und bombastischer als der Vorgänger zu sein, mit größeren Einsätzen und möglichst vielen verschiedenen Schauplätzen rund um den Globus.

Zu Beginn gelingt die Mischung aus aberwitzigem Humor und haarsträubender Action noch ziemlich gut, der Einstieg ist direkt witzig und bis zur ersten Actionszene dauert es auch nicht lange. Eine gelungene Schießerei in einem Regierungsgebäude, bei der zwar ein wenig Product Placement negativ auffällt, sich aber sogleich versöhnlich zeigt, indem die beworbenen Kartoffelchips alsbald sinnvoll zum Einsatz kommen. Ebenfalls nicht lange auf sich warten lässt eine temporeiche Verfolgungsjagd quer durch Paris, auch wenn das lässige Aussteigen aus einem schleudernden Fahrzeug im ersten Teil weit cooler aussah, als nun die Parallelszene des Einsteigens in der Fortsetzung.

Währenddessen bekommen Frank und Sarah Beziehungstips von allen Seiten, sodass es in den ruhigeren Momenten auch etwas menscheln darf. Die Angelegenheit wird erst so richtig kompliziert, als die sinistre femme fatale Katja (Catherine Zeta-Jones) auf den Plan tritt, die dummerweise eine Ex-Flamme von Frank ist und obendrein auch noch für den russischen Geheimdienst arbeitet und so für Furore sowohl in der Gruppe als auch in Franks Beziehung sorgt. Die Weltrettung gleichermaßen als Beziehungstherapie. Schöne Sache.

Doch in der zweite Hälfte beginnt der Film dann leider zu straucheln. Es geht ihm etwas die Puste aus, während die Charaktere in einem munteren Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel häufig und leichtfüßig die Seiten wechseln, im verzweifelten Versuch, die Geschichte weiterhin interessant zu gestalten. Doch die Suche nach einer Bombe, die - soviel sollte klar sein - früher oder später unweigerlich zu ticken anfangen wird, ist eben nicht gerade neu und wird daher wohl kaum für nervenzerreissende Spannung sorgen können.

Allen Beteiligten schien das völlig bewusst zu sein und sie sagten sich offenbar: egal, einfach Spaß damit haben. Und den hatten sie ganz offensichtlich. Bruce Willis machte sich ja schon in den letzten Jahren in seinen Filmen gerne über sein fortschreitendes Alter lustig und Helen Mirren hat augenscheinlich auch nichts dagegen, nach dem Oscar für die Darstellung der Queen von England in eine ganz andere Richtung zu gehen und lieber böse Jungs mit schweren Geschützen umzulegen oder auch einfach mal von Hand. John Malkovich liebt es ja sowieso schräg und hat wohl die meisten Lacher auf seiner Seite, für die er sich nicht einmal anstrengen muss. Mitunter braucht es da nur eine krumme Grimasse. Mary-Louise Parker besitzt als zunächst recht ahnungslose, aber wissbegierige Sarah ihren ganz eigenen Charme, davon jede Menge und entpuppt sich schon bald als brauchbares Teammitglied. Der koreanische Superstar Byun-hun Lee, der inzwischen auch einen ansehnlichen Aufstieg in Hollywood hinlegt, bekam von allen die schönsten Spielsachen, sei es nun eine riesige Gatling-Gun (Diskretion ist beim Morden offenbar fehl am Platz) oder auch nur ein Blatt Papier, mit dem er als weltbester Auftragskiller jemanden töten darf. Der Auftritt von Brian Cox geht zwar kaum über eine Cameo hinaus, doch seine wenigen Szenen, vor allem mit Victoria, genügen, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Die absolute Krönung und der Mann, der allen die Show stiehlt ist aber Anthony Hopkins. Mit Wonne gibt er sich dem absolut durchgeknallten Wissenschaftler hin und spielt den da Vinci des Todes völlig rückhaltlos, komplett Banane und doch erstaunlich facettenreich.

Jede Menge Rumgeblödel also zwischen all dem Rumgeballer, alles mit dem Ziel eine mittelmäßige Handlung zu überpinseln. Größtenteils gelingt dies auch und genau deswegen macht das Wiedersehen mit Frank & Co. jede Menge Spaß, auch wenn man letztlich alles schon mehrfach anderswo gesehen hat und mitunter auch deutlich besser. Ein dritter Teil darf gerne kommen.

6/10