Filmofen

Side Effects (2013)

15.10.2013

Inhalt:

Eigentlich hat Emily (Rooney Mara) allen Grund glücklich zu sein, denn ihr Mann Martin (Channing Tatum), der wegen Insiderhandels ins Gefängnis musste, ist gerade aus der Haft entlassen worden. Doch Emily leidet unter Depressionen und landet nach einem fehlgeschlagenen Selbstmordversuch in der Behandlung von Dr. Jonathan Banks (Jude Law), der ihr auf Anraten von Emilys ehemaliger Psychotherapeutin Dr. Victoria Siebert (Catherine Zeta-Jones) ein neues Präparat namens Ablixa. Doch dieses ruft bei Emily gefährliche Nebenwirkungen hervor...

Review:

Betrachtet man die Handlung von "Side Effects" hinterher nüchtern, könnte man sagen, dass sie gar nicht so außergewöhnlich ist. Man könnte sogar soweit gehen, zu sagen, dass sie genauso gut eine Folge einer beliebigen Crime-Serie im TV sein könnte. Doch es ist vordergründig gar nicht so sehr die zugrundeliegende Geschichte als viel mehr die Art und Weise, wie sie erzählt wird, die "Side Effects" zu einem der raffiniertesten und spannendsten Thriller der letzten Jahre macht.

Maßgeblich verantwortlich dafür sind Drehbuchautor Scott Z. Burns und Regisseur Steven Soderbergh, die in der Vergangenheit bereits bei "Der Informant" und "Contagion" erfolgreich zusammengearbeitet haben, und ihr neues Werk nun als hochintelligenten, verschachtelten, wendungsreichen Puzzle-Thriller strukturieren und den Zuschauer manipulativ im Dunkeln tappen lassen. Sobald man meint, einen entscheidenden Punkt erkannt zu haben, wird genau dieser Fakt zwei Sekunden später offen enthüllt und das Raten kann von vorne beginnen. Es ist gerade daher wichtig, vorher möglichst wenig über die Handlung des Filmes zu wissen und am besten einfach völlig unvorbereitet an den Film heranzutreten.

Soderberghs Inszenierung zeichnet sich in etwa durch denselben Stil wie schon "Contagion" aus. Das funktionierte schon damals gut, bei "Side Effects" aber nochmals um einiges effektiver. Ruhige, teils gar statische und immer kühl beobachtende Kameraführung sorgt dafür, dass es keine unnötigen Ablenkungen von den Vorgängen auf der Leinwand gibt. Trotz der ruhigen und langsamen Gangart des Filmes (oder gerade deswegen) weist er eine hohe Spannung auf, die zu keinem Zeitpunkt abflacht und den Zuschauer ununterbrochen gebannt auf das Geschehen blicken lässt. Überzeugende Personenführung ist der Schlüssel zum Erfolg und Soderbergh beweist ein erstaunliches Gespür dafür, seine Figuren sicher zu leiten.

Natürlich bedarf es talentierter Darsteller, dies auch umzusetzen und Soderbergh hat seinen Film mit glücklichem Händchen perfekt besetzt. Allen voran Rooney Mara, ohne deren fantastischer Darbietung der Film wohl nur halb so gut funktionieren würde. Tatkräftig unterstütz wird sie von einem hervorragend aufgelegten Jude Law, der mit für ihn ungewöhnlicher Zurückhaltung agiert und dennoch eine ziemlich große Charakterwandlung im Lauf des Filmes glaubhaft zu durchlaufen vermag. Catherine Zeta-Jones bleibt über weite Strecken kühl und undurchschaubar im Hintergrund, während Channing Tatum für seine Rolle kein außergewöhnliches Talent benötigt. Nicht zu vernachlässigen ist außerdem die Musik von Thomas Newman, welche die intendierte Stimmung des Filmes ausgesprochen gut unterstützt und mitträgt.

Es ist also das effektive Zusammenspiel mehrerer Kernfaktoren, die "Side Effects" zu dem besonderen Filmerlebnis machen, das er ist. Ein hervorragender, überaus spannender Thriller, der sich dabei mehr als einmal vor dem Großmeister Alfred Hitchcok verneigt und überdies auch noch eine Prise Gesellschaftskritik zu bieten hat. Da stört es noch nicht einmal, dass am Ende nochmals auch dem letzten Zuschauer in allen Einzelheiten erklärt wird was hier warum vor sich ging und dann auch noch mit Hilfe von Flashbacks. Steven Soderbergh hat angekündigt, dass es sein letzter Spielfilm sein wird. Einerseits schade, sich auf der Höhe seiner Kunst zurückzuziehen, aber andererseits soll man ja aufhören, wenn's am schönsten ist.

Blu-ray

"Side Effects" erscheint in Deutschland von Senator Home Entertainment. Das AVC-codierte Bild in Original 1.78:1 Format kann sich sehen lassen, der Ton liegt sowohl deutsch als auch englisch in DTS-HD Master Audio 5.1 vor, wobei der Film an sich keinen besonderen Raumklang hat. Das Bonusmaterial ist recht spärlich, es gibt einen fiktiven Medikamenten-Werbespot und ein Super-8 Video von Steven Soderbergh. Die Blu-ray erscheint mit Wendecover ohne FSK-Flatschen, wobei die Freigabe ab 16 etwas irreführend ist, da der Film ab 12 freigegeben ist und sich die höhere Freigabe lediglich aus dem Zusatzmaterial ergibt.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Senator Home Entertainment zur Verfügung gestellt.

"Side Effects" ist ab sofort auf Blu-ray und DVD erhältlich.

9/10