Filmofen

The Sapphires (2012)

05.06.2013

Inhalt:

Cynthia (Miranda Tapsell), Gail (Deborah Mailman), Julie (Jessica Mauboy) und Kay (Shari Sebbens) zeigen schon in jungen Jahren jede Menge musikalisches Talent. Bei einem Dorfwettbewerb wird Dave (Chris O'Dowd), der selbst jede Menge Soul im Blut hat, auf die Mädchen aufmerksam und erklärt sich kurzerhand zum Manager der Aborigine-Girlband. Unter seiner Führung machen sich die Mädchen auf nach Vietnam um für die amerikanischen Truppen aufzutreten.

Review:

Es ist kaum zu glauben, dass es sich bei "The Sapphires" um ein Spielfilm-Debut handelt. Das Erstlingswerk von Wayne Blair ist ein überaus gelungener Musikfilm, der zunächst den Verdacht aufkommen lässt, es handle sich um eine einfache und bereits häufig ähnlich erzählte Geschichte vom kometenhaften Aufstieg einer Musikgruppe vom kleinen Dorf bis auf die großen Showbühnen.

Doch "The Sapphires" bietet viel mehr als das. Unter der sehr authentisch wirkenden 60er-Jahre-Optik, den schillernden Kostümen und mitreißenden Musiknummern durchzieht den Film konsequent die Thematik des Durchbrechens von Rassen-Schranken, ohne aber jemals zur Moralpredigt zu mutieren. Das Politische steht klar im Hintergrund - geht aber nie unter - während die persönliche Geschichte der vorrangige Antreiber des Films ist.

Das funktioniert sehr gut, was auch den überaus sympathischen Darstellern zu verdanken ist. Chris O'Dowd, den meisten bekannt als netter Polizist aus "Brautalarm", verkörpert den brotlosen, aber humorvollen Künstler mit jeder Menge Herz und unfehlbarem Beschützerinstinkt sehr überzeugend und trägt den Film schon nahezu im Alleingang. Aber auch die liebenswürdigen Mädchen, bis auf Deborah Mailman allesamt Neulinge auf der großen Leinwand, agieren leichtfüßig, charmant und einnehmend.

Die Handlung ist zwar nicht frei von Logiklöchern und macht es sich ab und zu recht einfach - was gerade noch unmöglich war, ist einen Telefonanruf später kein Problem mehr - doch man verzeiht diese Schwächen gerne, denn der Film hat sein Herz absolut am rechten Fleck und bietet stets genau die richtige Menge und angemessene Art von Humor, der häufig mitten ins Schwarze trifft. Obwohl es sich natürlich um einen Musikfilm handelt, verfällt er kaum in die Probleme, die Musicals mitunter auszeichnen. Ja, es gibt Momente, in denen statt miteinander zu reden ein Streit gesanglich ausgetragen wird. Doch diese Szenen dauern nicht mehrere aus der Handlung herausreißende Minuten an, sondern sind zweckmäßig kurz gehalten und treten auch nur selten auf.

"The Sapphires" mag recht vorhersehbar und mitunter etwas sentimental sein, doch kein Vietnam-Krieg und keine zwischenmenschlichen Querelen können verhindern, dass der Film dank seiner hervorragenden Musik-Nummern mächtig groovt und einen wahnsinnigen Feel-Good-Vibe versprüht, dem man sich nur schwer entziehen kann.

8/10