Filmofen

Eine ganz persönliche Liste der besten und schlechtesten Filme des Kinojahres 2013

15.05.2014

Meine Übersicht der für mich besten und schlechtesten Filme des Kinojahres 2013 musste leider ein wenig länger auf sich warten lassen. Einerseits hat die “reale” Welt viel Zeit in Anspruch genommen, andererseits hatte ich schlicht noch den ein oder anderen potenziellen Kandidaten nachzuholen. Aber es war gut zu warten, denn es gab tatsächlich noch Verschiebungen und Neuzugänge in der Liste. Ausschlaggebend ist ein deutscher Kinostart im Jahr 2013 und ich habe davon immerhin 179 Filme gesehen. Viele gute, aber auch viele schlechte und mittelmäßige waren dabei, aus so vielen Filmen eine eindeutige Top10 und Flop10 herauszusuchen ist nicht ganz einfach.

Beginnen wir zunächst mit den Filmen, die man sich getrost sparen kann und die der Bezeichnung “Film” kaum würdig sind. Einige Kandidaten haben es leider nicht in die Flop10 geschafft, sie waren einfach nicht mies genug. Dazu gehören: Das furchtbare Travestie-Drama Albert Nobbs, Til Schweigers Cash-Grab-Fortsetzung Kokowääh 2, die ebenfalls ganz grauenhafte Fantasy-Fortsetzung Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen (Percy Jackson & the Olympians: The Lightning Thief), das langweilige Sportdrama Playoff (mehr dazu hier), das zähe Künstlerportrait Renoir (mehr dazu hier), der unerwartet furchtbare Stirb Langsam 5 (Die Hard 5), die unlustige Damen-Buddy-Cop-Komödie Taffe Mädels (The Heat), sowie das optisch ganz hübsche aber ansonsten ganz schreckliche Sci-Fi-Liebesdrama Upside Down. Diese Filme waren schon ziemlich schlecht, aber es gab dennoch 10 Titel, die das noch unterbieten konnten...

Flop 10

10. The Counselor

The Counselor hätte eigentlich gut sein müssen, bei all den großen Namen, die daran beteiligt sind. Das Ergebnis ernüchternd zu nennen ist eine Untertreibung. Unter der Regie von Ridley Scott sieht man hier 2 Stunden lang Michael Fassbender, Penelope Cruz, Cameron Diaz, Javier Bardem, Brad Pitt und Bruno Ganz dabei zu, wie sie mit ernster Miene die furchtbaren Dialoge von Cormac McCarthy wiedergeben. Eine lahme Geduldsprobe, die einzig durch einige kreative Ermordungen und eine der merkwürdigsten Sexszenen der Filmgeschichte in Erinnerung bleiben wird.

9. Jackass: Bad Grandpa

Johnny Knoxville reist als alter Mann verkleidet mit einem kleinen dicken Kind durchs Land und verarscht die Leute, zusammengehalten von einer dünnen Story, die es nun auch nicht gebraucht hätte. Witzig ist das Ganze in keiner Weise, spätestens als eine Restaurant-Wand mit Sprühschiss verziert wird, hat der Film jegliche Sympathie verspielt. Lediglich das Finale ist ein bisschen lustig, aber das ist erstens aus Little Miss Sunshine geklaut und zweitens bereits komplett im Trailer zu sehen, den jeder, der in den Monaten vor Kinostart das ein oder andere Mal im Kino war, bereits mehrfach gesehen hat.

8. Seelen (The Host)

“Basierend auf dem Roman von Stephenie Meyer” sagt eigentlich schon alles. Bei dem Erfolg der Twilight-Reihe musste natürlich auch dieses Buch verfilmt werden, glücklicherweise mit magerem Erfolg an den Kinokassen, denn dieser klischeebeladene Sci-Fi-Schizophrenie-Liebesdreieck-Schlonz ist alles andere als sehenswert (wer das genauer erläutert haben will lese hier).

7. Riddick

Wenn es ein Franchise gibt, das man nicht hätte wiederbeleben müssen, dann war das in diesem Jahr Riddick. Dazu habe ich mich ja bereits hier ausführlicher geäußert.

6. Chroniken der Unterwelt - City of Bones (The Mortal Instruments: City of Bones)

Jeder Fantasy-Jugendroman muss ja momentan verfilmt werden, in der Hoffnung das nächste "Twilight"-Franchise loszutreten. Die Vorlage zu Chroniken der Unterwelt hatte ihren Ursprung als Harry Potter-Fanfiction, was auch im Film merklich ist. Munter von allen Seiten zusammengeklauter Schrott und dann auch noch Lily "Augenbraue" Collins in der Hauptrolle.

5. Hangover 3

Noch so eine schlechte Fortsetzung. Hangover 3 ist zwar nicht wie der zweite Teil quasi ein Remake des ersten in veränderter Umgebung, sondern versucht ein etwas anderes Konzept. Statt in einer Komödie präsentiert sich das Wolfpack in einem lahmarschigen Actionthriller, der von vorne bis hinten vorhersehbar ist und mit allerlei abstoßenden Geschmacklosigkeiten angereichert wurde. Eine Tortur von der ersten bis zur letzten Minute.

4. 00 Schneider - Im Wendekreis der Eidechse

Ich versuche nicht einmal die Handlung von Helge Schneiders neuestem Leinwandabsurdum zusammenzufassen. Vermutlich funktioniert der Film nur für große Fans des schrägen Vogels, ich habe mich im Sitz gewunden und fand ihn von vorne bis hinten unerträglich, habe nicht ein einziges Mal auch nur geschmunzelt und was die ganzen Transen in dem Film machen habe ich erst recht nicht verstanden. Ganz ganz großer Mist.

3. Charlies Welt - Wirklich nichts ist wirklich (A Glimpse Inside The Mind of Charles Swan III)

Dieses Machwerk von Wes Anderson Kollaborateur Roman Coppola lässt eine durchdachte Handlung gänzlich vermissen und bietet wahrlich nur flüchtige Einblicke in die völlig gestörte Persönlichkeit des Charlie Sheen - äh Charles Swan III - doch diese kurzen Momente sind mehr als ausreichend und vermutlich auch mehr als der durchschnittliche Zuschauer auszuhalten vermag. Hier lernt man, wie quälend lang 86 Minuten sein können. Trotz dieser kurzen Laufzeit kann das Ende nicht früh genug kommen. Unbefriedigend auf ganzer Linie. (Ausführlicher hier).

2. Movie 43

Jede Menge bekannter Namen tummeln sich in der “Komödie” Movie 43. Letztlich handelt es sich dabei aber um eine Ansammlung von Kurzfilmen, die jeglichen Witz vermissen lassen und stattdessen anscheinend lediglich die Grenze des guten Geschmacks testen wollen und den Zuschauer provozieren, die Sichtung abzubrechen und auf eine Mission loszuziehen, jede Kopie des Films zu finden und laut fluchend zu vernichten. Man möchte gar nicht wissen, wie die Macher beispielsweise Hugh Jackman dazu brachten, sich einen Hodensack ans Kinn kleben zu lassen. Bodenlos, unerträglich und lange Zeit mein Hassfilm Nr. 1 des Jahres. Doch dann kam...

1. Kindsköpfe 2 (Grown-Ups 2)

Es gab eine Zeit, da machte Adam Sandler gute Filme, doch die ist schon lange vorüber. Jack & Jill feierte schon Negativrekorde und heimste so viele goldene Himbeeren ein wie kein Film zuvor, sodass ich mich an den nicht einmal herantraute (und dazu gehört schon viel). Doch Kindsköpfe 2 gab ich dann wieder eine Chance, der erste Teil war zwar ebenfalls nicht gut, aber auch nicht furchtbar. Wenn der Film dann damit beginnt, dass sich Herr Sandler von einem hässlichen CGI-Hirsch ins Gesicht pissen lässt, sollte man eigentlich schon wissen, dass es unterhaltsamer wäre einfach eine weiße Wand anzustarren statt diesen Haufen Scheiße zu ertragen. Dafür Geld zu verlangen, wie Herr Sandler mit seinen Kumpels infantilen Spaß hat, nicht einmal durch den Versuch einer Handlung zusammengehalten, ist schon eine bodenlose Frechheit. Warum dieser Schmarrn 80 Millionen Dollar gekostet hat bleibt ein Rätsel, wie er weltweit fast 250 Millionen einspielen konnte ein noch viel größeres. Wer Nies-Rülps-Furzen oder Softeis-Kacke lustig findet, ist hier richtig, alle anderen sollten einen weiten Bogen um dieses Desaster machen.

Aber es gab ja auch noch allerlei gute und sehr gute Filme in diesem Kinojahr. Lobende Erwähnung für einige Filme, die mir besonders gut gefallen haben, es dann aber nicht in die Top 10 geschafft haben: den liebenswürdigen und romantischen Alles eine Frage der Zeit (About Time) von Richard Curtis, The Best Offer vom italienischen Ausnahmeregisseur Guiseppe Tornatore, Woody Allens Tragikkomödie Blue Jasmine mit einer überragenden Cate Blanchett, den spannenden Hochseethriller Captain Phillips von Paul Greengrass, einen der besten Animationsfilme des Jahres Die Croods (The Croods), eine der witzigsten Komödien des Jahres Das ist das Ende (This is the End), den zweiten herausragenden Animationsfilm des Jahres Die Eiskönigin (Frozen) (inzwischen zweifach oscarprämiert), das ergreifende Drama Der Geschmack von Rost und Knochen (De rouille et d’os), den mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichneten La Grande Bellezza - Die große Schönheit von Paolo Sorrentino, das opulente Martial-Arts Epos The Grandmaster von Wong Kar-Wai, die fast ebenso brillant bebilderte und gerade musikalisch hervorragend modernisierte Literaturverfilmung Der große Gatsby (The Great Gatsby), das bei den Oscarnominierungen arg vernachlässigte neue Werk der Coen-Brüder Inside Llewyn Davis, das dänische Drama über (vermeintliche) sexuelle Belästigung Die Jagd, das unglaublich intensive und meisterhaft bebilderte Scientology-Drama The Master von Paul Thomas Anderson, den einzigartigen Vampir/Liebesfilm Only Lovers Left Alive von Jim Jamusch, den sehr ambitionierten und generationenübergreifenden The Place Beyond the Pines, einen der spannendsten und besten Thriller des Jahres Prisoners von Denis Villeneuve, Ron Howards gelungenes Portrait zweier Formel1-Legenden Rush, den nach eigenen Angaben letzten Spielfilm von Steven Soderbergh und ein Thriller, der Hitchcock stolz machen würde Side Effects, David O. Russells Silver Linings Playbook, der Jennifer Lawrence den verdienten Oscar einbrachte, den oft gehassten, aber von mir gefeierten Star Trek Into Darkness, Park Chan-Wooks eindrucksvolles englischsprachiges Debüt Stoker und zu guter letzt noch einmal J-Law in Die Tribute von Panem - Catching Fire (The Hunger Games: Catching Fire).
Doch kommen wir nun zu meiner ganz persönlichen

Top10

10. Zero Dark Thirty

Aufgrund seines deutschen Kinostarts im Januar 2013 bei den Jahrestoplisten häufig vergessen findet sich bei mir Kathryn Bigelows spannender CIA-Thriller, der die Jagd nach Osama bin Laden auf spannende und vergleichsweise neutrale Weise darstellte. Kein Amerika-Patriotismus, keine Folter-Verherrlichung (auch wenn vor einer expliziten Darstellung nicht zurückgeschreckt wird). Dafür Hochspannung, herausragende Darsteller (allen voran Jessica Chastain) und ein brillant inszeniertes Finale. Wer das genauer nachlesen will kann dies hier (http://www.filmofen.de/film/zero-dark-thirty) tun.

9. Sein letztes Rennen

Eine gewaltige Überraschung und mit Abstand der beste deutsche Film des Jahres und vermutlich sogar noch eine Weile darüber hinaus. Die Geschichte eines in die Jahre gekommenen Marathonläufers, der es noch einmal wissen will und das Altenheim einfach nicht als Endstation akzeptieren mag, unterhält, berührt zutiefst und weist nebenbei auch auf gesellschaftliche Missstände hin. Von Dieter Hallervorden hätte ich wohl kaum ein derart nuanciertes Schauspiel zwischen perfekt getimter Komik und herzzerreissender Dramatik erwartet. Diese Gratwanderung meistern er und Regisseur/Autor Kilian Riedhof perfekt. Dieses Feel-Good-Movie sollte man auf keinen Fall verpassen.

8. The Broken Circle (The Broken Circle Breakdown)

Die schwere Krankheit ihrer Tochter stellt die Beziehung von Elise und Didier auf eine harte Probe. Nicht nur ihre Beziehung, auch die Moralvorstellungen des Zuschauers, von der emotionalen Schlagkraft ganz zu schweigen. Ein richtig gutes Drama und ein leidenschaftliches Plädoyer für Stammzellenforschung und gegen die Behinderung von Wissenschaft aufgrund von religiösen Vorstellungen. Für mich der eindeutig beste Film im Rennen um den Oscar für den besten fremdsprachigen Film, bekommen hat er ihn dann aber leider nicht.

7. Frances Ha

Hach, Frances Ha. Die dritte Zusammenarbeit zwischen Regisseur/Autor Noah Baumbach und Hauptdarstellerin/Autorin Greta Gerwig kann auf ganzer Linie überzeugen. In wunderbar melancholischen schwarz/weiß Bildern folgen wir der 27-jährigen New Yorkerin Frances, die kein richtiges Apartment, keine richtige Beziehung und eigentlich auch keinen richtigen Job hat und ein bisschen orientierungslos durchs Leben geht, ohne aber ihre Träume aufzugeben. Gerade diejenigen von uns, die noch nicht so genau wissen wo das Leben sie hinführen wird, den eigenen Platz in der Welt nicht nicht so recht gefunden haben, werden sich mit Frances leicht identifizieren können. Greta Gerwig ist einfach wunderbar, unfassbar charismatisch und schlicht liebenswert. Kurz gesagt ist Frances Ha der beste Woody Allen Film, der gar nicht von Woody Allen ist.

6. Spring Breakers

Harmony Korines Spring Breakers ist ein ziemlich eigenwilliger Coming-of-Age Film aber gerade das macht in interessant. Oberflächlich bietet die Handlung einiger Mädchen, die leicht bekleidet auf Spring Break unterwegs sind und mal einen auf Gangster machen vielleicht nicht jedem genug. Unter der auf neonfarbenen Hochglanz polierten Oberfläche gibt es dafür umso mehr zu entdecken. Ich versuche das gar nicht weiter zusammenzufassen, sondern verweise besser auf meine früheren Ausführungen (http://www.filmofen.de/film/spring-breakers) und einen weiteren interessanten Interpretationsansatz (Achtung Spoiler) http://imgur.com/a/AQGDC.

5. Blau ist eine warme Farbe (La vie d’Adèle - Chapitres 1 et 2)

Schülerin Adèle fällt auf dem Weg durch die Stadt ein Mädchen mit strahlen blauen Haaren auf. Bald sind die beiden Freunde, aus Freundschaft entwickelt sich Liebe. Regisseur Abdel Kechiche zeigt dem Zuschauer auf realistische, äußerst intime und detaillierte Weise die Liebe zwischen zwei Frauen mit allen Höhen und Tiefen. Die naturalistische Inszenierung vermittelt den Eindruck, man würde hier ein echtes Liebespaar über mehrere Jahre hinweg begleiten. Dafür sind auch die beiden Darstellerinnen maßgeblich verantwortlich. Sie sind einfach umwerfend in ihrer jeweiligen Rolle und hätten höchste Auszeichnungen verdient. Immerhin gewann der Film in Cannes die goldene Palme und erstmals wurde sie auch mit an die Hauptdarsteller vergeben. Völlig zu Recht, denn Blau ist eine warme Farbe bietet 179 Minuten ganz wunderbares Kino.

4. Django Unchained

Wenn Quentin Tarantino einen neuen Film macht, kann man eigentlich schon mit nahezu 100%iger Sicherheit sagen, dass er in meiner Liste der besten Filme des Jahres relativ weit oben auftauchen wird. Der Mann macht einfach keine schlechten Filme und sein bis dato kommerziell erfolgreichster Film (und nach Fack Ju Göhte übrigens zweiterfolgreichster Film im deutschen Kino 2013) ist da keine Ausnahme. Django Unchained bietet blutige Unterhaltung der besten Art, mit Jamie Foxx als titelgebender Django, Christoph Waltz als Hans Landa in gut, Leonardo DiCaprio ausnahmsweise mal in böse und Kerry Washington herausragend besetzt, vor allem hätte meines Erachtens Leonardo DiCaprio den Oscar als bester Nebendarsteller um einiges mehr verdient gehabt als Christoph Waltz. Nicht nur optisch ein Fest, auch für die Ohren, kann man den Dialogen doch gerne auch mal so lauschen und den Soundtrack zuhause in Dauerschleife laufen lassen. Nicht umsonst bekam der gute Quentin hier nach Pulp Fiction seinen zweiten Drehbuchoscar. Einen Oscar als Darsteller wird er allerdings nie bekommen und sollte es vielleicht einfach mal lassen, sich als Schauspieler in seinen eigenen Filmen zu versuchen.

3. Before Midnight

1995 trafen sich Jesse und Celine in einem Zug und verbrachten zusammen eine traumhafte Nacht in Wien. Before Sunrise war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft/Beziehung, nicht nur zwischen den beiden, sondern auch zwischen ihnen und dem Zuschauer. 2004 gab es mir Before Sunset das Wiedersehen in Paris, wiederum 9 Jahre später zauberte das Trio aus Regisseur/Autor Richard Linklater und den Darstellern/Autoren Julie Delpy und Ethan Hawke scheinbar aus dem Nichts den in Griechenland spielenden Before Midnight auf die Leinwand. Es ist kaum möglich über den dritten Teil dieser großartigen Trilogie zu schreiben, ohne die ersten beiden Teile zu spoilern. Ich sage mal soviel: Auch wenn es kaum möglich erschien, Before Midnight übertrifft seine beiden Vorgänger nochmals und nimmt den Zuschauer mit auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle und scheut auch vor harter Realität nicht zurück. Ein Meisterwerk! Bleibt zu hoffen, dass wir Celine und Jesse in ein paar Jahren wieder über den Weg laufen dürfen.

2. Gravity

Das Science-Fiction Kino ist noch lange nicht tot, das stellt Alfonso Cuaron mit seinem neuen Film erneut eindrucksvoll unter Beweis. War schon sein Children of Men einer der besten Science-Ficion Filme, die es in der jüngeren Vergangenheit gegeben hat, setzt er mit Gravity nochmal eins obendrauf und präsentiert ein Kinoerlebnis, das seinesgleichen sucht. Gravity ist einer der seltenen Filme, der den Zuschauer wirklich rätseln lässt, wie es den Machern gelungen ist solche Bilder auf die Leinwand zu bannen, rein technisch schon eine wahre Meisterleistung und man könnte glatt glauben, der Film sei wirklich in der Schwerelosigkeit des Weltraums gedreht worden. Nebenbei beweist er eindrucksvoll, dass die 3D-Diskussion sich nicht darum drehen sollte, ob der Film in nativem 3D produziert wurde und danach konvertiert wurde, sondern, ob ein Regisseur in der Lage ist, die zusätzliche Dimension sinnvoll einzusetzen, der Handlung damit zu dienen und einen deutlichen Mehrwert für den Zuschauer zu schaffen. All das gelang Regisseur Alfonso Cuarón auf beeindruckende Art und Weise und brachte ihm nach zahlreichen anderen Auszeichnungen auch verdientermaßen den Regie-Oscar ein. Auch die weiteren 6 Oscars, mit denen Gravity ausgezeichnet wurden sind mehr als gerechtfertigt. Gravity bewies eindrucksvoll, dass die Entwicklung des Kinos noch lange nicht am Ende ist und bot eine zumindest für mich nie dagewesene immersive Erfahrung. Cuaron zeigt gleichermaßen die Schönheit und den Schrecken des Weltraums und entlässt den Zuschauer glücklicherweise nie für eine kurze Atempause beispielsweise für einen Blick in ein NASA-Zentrum auf der Erde. Man ist genauso gestrandet im Weltraum wie die Protagonisten und erlebt das Geschehen geradezu erster Hand. Wem der Überlebenskampf als Handlung zu platt ist, erhält genügend teils überdeutliche Hinweise auf eine zweite Deutungsmöglichkeit.

1. Pacific Rim

Hier kommen wir an den Punkt, an dem mich so manche eingefleischte Cineasten, Kritiker oder gar Medienwissenschaftler für völlig bekloppt erklären mögen. Aber meine klare Nummer eins der besten Filme des vergangenen Kinojahres ist Guillermo del Toros Pacific Rim. Ein Teil von mir trauert zwar immer noch darum, dass wir seine Version des Hobbit nicht zu sehen bekommen und die Verfilmung dieses Romans dem Größenwahn Peter Jacksons überlassen wurde (auch wenn ich seine Adaption bisher dennoch recht unterhaltsam finde). Doch der andere Teil von mir ist heilfroh und dankbar für Pacific Rim. Das ist der Film, der Transformers hätte sein sollen und dabei ist es fast noch eine Beleidigung. Das ist der Film, den ich mir vorstellte und wünschte, als ich mit 8-9 Jahren Sonntag nachmittags auf Kabel 1 Godzilla-Filme schaute. Das ist der Film, der mir dieses Jahr den meisten Spaß im Kino bereitete und das auch bei der fünften Sichtung noch. Pacific Rim ließ sich zwar reichlich von bestehendem Material “inspirieren” (vor allem von bestehenden japanischen Kaiju-Filmen mit einer guten Portion Neon Genesis Evangelion), bastelte daraus aber ein grundsolide auf eigenen Beinen stehendes Original. Das Produktionsdesign ist zweifellos großartig und bessere Action als das Battle of Hong Kong hat man schon lange nicht mehr im Kino bewundern dürfen. Eine ordentliche Portion Humor, vor allem in Form der sich stets zoffenden verschrobenen Wissenschaftler, macht die Unterhaltung perfekt. Darüber hinaus bot er - eine Seltenheit im Blockbuster-Kino - eine weibliche Figur, die interessanter war als der gesamte männliche Cast zusammen, wodurch gar ein neuer feministischer Test für Filme neben dem Bechdel Test geboren wurde: der Mako Mori Test. Auch wenn er für die Dialoge sicherlich keine Drehbuchpreise verdient hat, ist Pacific Rim für mich schlicht ein Meisterwerk des Unterhaltungskinos.

/10