Filmofen

White House Down (2013)

11.09.2013

Inhalt:

John Cale (Channing Tatum) träumt von einer Karriere als Secret-Service-Agent. Bis zum Bodyguard des Sprechers des Repräsentantenhauses (Richard Jenkins) hat er es bereits geschafft und sich über Beziehungen ein Vorstellungsgespräch bei der Secret-Service-Agentin Finnerty (Maggie Gyllenhaal) im Weißen Haus besorgt. Es läuft alles andere als gut, doch während John mit seiner Tochter Emily (Joey King) eine Führung durch das Weiße Haus macht, wird ebendieses von Terroristen angegriffen und besetzt. John wird von seiner Tochter getrennt und die Suche nach ihr entwickelt sich zum unerwarteten Einstellungstest: er wird mehr oder weniger freiwillig zum stärksten Gegenspieler der Besatzer und der letzte Beschützer des Präsidenten (Jamie Foxx).

Review:

Roland Emmerich macht gerne alles kaputt. In den letzten Jahren lieferte er mit “The Day After Tomorrow” und “2012” Disasterporn vom feinsten ab und das Weiße Haus ist seit “Independence Day” immer ein beliebtes Ziel des deutschstämmigen Regisseurs gewesen. Diesem scheinbaren Lieblingsziel widmet sich Emmerich in “White House Down” mit ungezügelter, maßloser Zerstörungswut. Sich von der Weltzerstörung zur Abwechslung einmal auf einen kleineren Schauplatz zu begeben tut ihm dabei durchaus gut.

Es dauert ein wenig, bis der Film in Gang kommt. Zunächst bedarf es etwas Zeit die zahlreichen Figuren in Stellung gebracht werden, was ziemlich gut gelingt und dann müssen dem unwissenden Zuschauer in einer Führung durch das Weiße Haus unbedingt erst noch einige geschichtliche Fakten nahegebracht werden, bevor Emmerich das Tempo hochfährt und eine Actionorgie inszeniert, die sich wirklich sehen lassen kann. Denn Actionfreunde kommen hier ganz auf ihre Kosten. Von der Mann gegen Mann Prügelei über Stift, Küchenmesser, Granaten, Handfeuerwaffe, Maschinengewehr, Bazooka, Gatling Gun, Luftabwehrrakete, bis hin zu Black Hawks kommt alles zum Einsatz was das Actionherz begehrt. Es mag nicht immer unbedingt innovative Action sein, die man hier zu sehen bekommt, aber es ist mehr als genug Abwechslung vorhanden, um nie langweilig zu werden und durchweg gut zu unterhalten.

Channing Tatum als besorgter Vater und möchte-gern Secret-Service-Agent liefert eine überzeugende Leistung ab und auch Jamie Foxx hat sichtlich Spaß als Präsident, der bei der Verteidigung seiner Hütte gerne erstmal von feinen Schuhen auf bequeme Jordans umsteigt. Gemeinsam geben die beiden ein gutes Team ab und haben trotz der lebensbedrohlichen Lage immer ein paar lockere lockere Sprüche auf den Lippen, sodass man glatt meinen könnte, man wäre in einer Buddy-Cop-Komödie. Auch der konstant besorgte Touristenführer, der unter der rücksichtslosen Zerstörung unersetzbaren historischen Inventars sichtlich leidet, bietet einen guten Running Gag und darf eine schamlose, aber dennoch sehr gelungene Selbst-Referenz des Regisseurs an “Independence Day” von sich geben. Es handelt sich ganz klar um einen Unterhaltungsfilm, in dem nicht alles bierernst genommen werden sollte, daher verkommt er dankenswerterweise auch nie zum von Pathos und Patriotismus triefenden Pro-Amerika-Streifen, der er hätte sein können. Einige derartige symbolschwangere Szenen kommen zwar vor, sind aber offenkundig immer mit einer gewissen Portion Ironie und einem Augenzwinkern eingesetzt.

Erfrischend zu sehen ist es, dass die Terroristen ausnahmsweise einmal keine religiös-fanatischen Nahostkämpfer, Koreaner oder andere urböse Amerikahasser sind. Die Bedrohung kommt aus dem Inneren und vermutlich ist das sogar ein wahrscheinlicheres Szenario als der Angriff von außen. Zunächst geht es augenscheinlich um Geld, doch das allein ist schon längst kein ausreichendes Motiv für einen Terroristen mehr und glücklicherweise wird auch der Zuschauer nicht für so dumm gehalten und auch der ein oder andere Protagonist merkt schnell, dass hier noch etwas größeres dahintersteckt. Es findet sich durchaus etwas Politisches in dem überspitzten Actionspektakel. Rückzugspläne aus dem nahen Osten sind ein Thema, genauso wie Politik-Blockaden durch Lobbygruppen, allen voran die Waffenindustrie, die vom unermüdlichen Kriegstreiben der USA mächtig profitiert. Der Film ist nicht so dumm, wie er auf den ersten Blick scheinen mag.

Andererseits muss sich das Drehbuch von James Vanderbilt vorwerfen lassen, nicht ohne den Einsatz altbekannter Klischees auszukommen. Beispielsweise sollte klar sein, wie sich die Sache entwickelt, wenn der Mann, der mehr oder weniger im Alleingang einen Handlanger nach dem anderen ausschaltet, gleichzeitig seine Tochter irgendwo im Weißen Haus verloren hat. Abgesehen davon erlaubt sich Vanderbilt leider auch einen besonders blöden Schnitzer: Ab einem bestimmten Punkt im Film wird leider gänzlich ignoriert, dass der zunächst totgeglaubte Präsident eben doch noch am Leben ist, selbst Cale vergisst diese unbedeutende Nebensächlichkeit zu erwähnen als er mit der Kommandozentrale telefoniert, wo sich aber auch keiner danach schert, diese Frage zu stellen. Für die weitere Entwicklung der Handlung mag es notwendig sein, dass der Präsident für tot gehalten wird, aber wie es zu diesem Irrglauben kommt, ist schlicht etwas zu bequem gelöst und daher ärgerlich. Hier hätte es sicher Möglichkeiten gegeben, das etwas plausibler zu gestalten.

“White House Down” ist mit Sicherheit alles andere als perfekt. Er besitzt einige offensichtliche Schwächen, bedient sich nicht weniger Actionfilm-Klischees und ist vor allem gegen Ende nicht ganz logisch. Doch letztlich fallen die Mängel nur relativ gering ins Gewicht, denn das Positive überwiegt und dank zwei harmonierender, sympathischer Hauptdarsteller, solider Action, einer ordentlichen Portion Humor und einer Prise politischen Untertons sorgt Emmerich für ziemlich gute Unterhaltung.

7/10